Wandel zur Digitalfotografie macht Rettung schwer
Digitalfotografie knipst Agfa das Licht aus

Das Kölner Amtsgericht hat das vorläufige Insolvenzverfahren bei Agfa Photo eröffnet. Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier steht wegen des Wandels zur Digitalfotografie vor einer schwierigen Aufgabe.

HB DÜSSELDORF. Der Agfa-Betriebsrat zeigte sich von der Entwicklung vollkommen überrascht. Noch auf einer Sitzung Mitte Mai hätten die Vertreter der Geschäftsführung nicht einmal in Andeutungen von einer drohenden Insolvenz gesprochen. Vor einem halben Jahr habe sich Agfa Photo als ein solides Unternehmen präsentiert. Dem Betriebsrat sei daher völlig unverständlich, dass jetzt ein Insolvenzverfahren beantragt worden sei, heißt es in einer ersten Stellungnahme zusammen mit der IG Bergbau Chemie Energie. Jetzt sei es erstmal wichtig, die Produktion aufrecht zu erhalten.

Mit einem Jahresumsatz von 700 Millionen Euro in 2004 und 2400 Mitarbeitern weltweit gehört Agfa Photo zu den Großen der Fotobranche. Anders als viele Kamerahersteller konnte das Unternehmen aber nicht vom Digitalfotografie-Boom profitieren. Zwar versuchte sich Agfa - damals noch als Sparte im Agfa-Gaevert-Konzern - schon früh mit dem Bau eigener Digitalkameras. Doch nach vier Jahren und nur wenigen Modellen war 2001 Schluss. Auch die kurzzeitige Zusammenarbeit mit Minolta fruchtete nicht.

Mit der Aufgabe der Digitalkamera-Produktion schwand die Hoffnung, die Verluste beim traditionellen Filmgeschäft ausgleichen zu können. Dort brach das Geschäft ein. Gingen im Jahr 2000 in Deutschland insgesamt noch Filme im Wert von 660 Millionen Euro über die Theke, waren es 2004 gerade noch die Hälfte. Bei Fotopapieren - auch das eine Agfa-Spezialität - war der Rückang zwar moderater, aber immer noch spürbar. Die Fotolabore produzierten statt 5,15 nur noch 4,65 Millionen Fotos im Jahr. Das Plus bei digitalen Abzügen wurde vom Minus bei analogen Fotos mehr als aufgefressen.

Hoffnungsträger bei Agfa war deshalb das Geschäft mit Maschinen für Fotolabore. Nachdem immer mehr Digitalfotografen Abzüge von ihren Daten orderten, waren die Fotolabore gezwungen, geeignete Maschinen dafür anzuschaffen. Während es bei den so genannten Minilabs - kleinen Laboren um die Ecke - immerhein eine handvoll Apparatebauer gibt, teilt sich Agfa den Markt der Großlabore nur noch mit einem kleineren Schweizer Konkurrenten. Die Großlabore, in den vor allem die Drogerieketten ihre Fotoaufträge fertigen lassen, waren damit fast zwingend auf Agfa angewiesen.

Cewe Color, der größte deutschen Fotoentwickler, gibt sich ob der Agfa-Insolvenz dennoch gelassen. Papiere bezieht die Oldenburger Gruppe seit jeher von mehreren Herstellern. Neben Agfa sind das Kodak, Konica und Fuji. Bei den Großlabor-Maschinen gibt es nur eine Alternative und die kommt vom Schweizer Unternehmen Imaging Solutions. Allerdings, so verriet eine Sprecherin von Cewe Color, gebe es ein weiteres Unternehmen, das derzeit einen großen Printer für digitale Daten entwickele. Sorgen um den Maschinenpark mache man sich deshalb nicht. Auch die Wartung der Agfa-Geräte sei gewährleistet.

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