Wandelanleihe
Frankreich blockiert EADS

Während die Mitarbeiter von Airbus immer noch gegen das drastische Sparprogramm des Flugzeugbauers protestieren, war es unter den Großaktionären der Muttergesellschaft EADS ruhig geworden. Die Streitigkeiten über eine gerechte Verteilung der Lasten und der Macht schienen beigelegt. Doch weit gefehlt: Die französische Regierung hat einen neuen Streit vom Zaun gebrochen.

ali/HB PARIS. Kurz vor Ende seiner Amtszeit stemmt sich Frankreichs Finanzminister Thierry Breton gegen die von den anderen EADS-Anteilseignern Daimler-Chrysler und Lagardère vorgeschlagene Ausgabe einer Wandelanleihe. Daimler und Lagardère wollen damit eine Kapitalerhöhung beim deutsch-französischen Luftfahrt-Konzern finanzieren. „Frankreichs Regierung hat das blockiert“, hieß es am Dienstag in Aktionärskreisen. Das Finanzministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Das Geld wird zur Streichung von 10 000 Stellen, zur Neuorganisation der Produktion sowie zur Entwicklung neuer Modelle benötigt. Airbus befindet sich derzeit in seiner größten Krise, nachdem der neue Großraum-Flieger A380 mit Verspätung ausgeliefert und der Langstrecken-Jet A350 XWB erst Jahre nach dem Boeing-Konkurrenzmodell Dreamliner auf den Markt kommen wird.

Mit einer Wandelanleihe würde EADS Schuldtitel ausgeben, die mit eigenen Aktien zurückgezahlt werden. Bei dieser Form der Kapitalerhöhung würden die Anteile aller Altaktionäre (französischer Staat, Lagardère und Daimler) mit Verzögerung verwässert.

Was die Franzosen wollen

Die französische Regierung schlägt ihrerseits vor, sofort neue Aktien auszugeben. Dabei wolle der Staat entsprechend seinem EADS-Anteil von 15 Prozent neue Titel zeichnen, hieß es aus den Kreisen. Da Daimler und Lagardère stets klar gemacht haben, dass sie kein frisches Geld bei EADS einschießen wollen, würde ihr Anteil bei solch einer Kapitalerhöhung an EADS sinken und der Staatseinfluss gestärkt. Die französische Regierung will anderen Kleinaktionären von EADS keine Bezugsrechte zugestehen. Damit würde der Staat seinen Anteil weiter erhöhen.

Ein anderer Streitpunkt zwischen den EADS-Eignern ist die Dividende. Angesichts der Krise bei EADS und Tochter Airbus wollen Frankreichs Regierung und Lagardère einen Dividendenverzicht. Dagegen hat Daimler stets argumentiert, dass angesichts der schlechten Kursentwicklung der EADS-Aktie die Zahlung einer Dividende ein Zeichen der Zuversicht wäre.

Die Hauptversammlung von EADS ist für den 4. Mai geplant. Angesichts des Streits wird nicht ausgeschlossen, dass es auf dem Aktionärstreffen keine Beschlüsse über die Kapitalerhöhung geben wird. Zur Dividende könnte es hingegen eine Entscheidung geben. In der Regel macht das Management einen Dividendenvorschlag. „Die Tagesordnung werden wir rechtzeitig verschicken“, sagte ein EADS-Sprecher. Das Schreiben muss spätestens in der Woche nach Ostern an die Aktionäre versandt werden.

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