Wandelanleihe
SGL Carbon beschafft sich 240 Millionen Euro

Der Hersteller von Kohlenstoffprodukten hat mit einer Wandelanleihe rund 240 Millionen Euro erlöst. Das Geld soll vor allem für einen Zukauf in Portugal und für den chinesischen Markt verwendet werden.
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WiesbadenDer Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hat mit seiner angekündigten Wandelanleihe knapp eine viertel Milliarde Euro erlöst. Das Volumen habe bei 240 Millionen Euro gelegen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Zuvor hatte die Gesellschaft Eckdaten für das erste Quartal vorgelegt. Der operative Gewinn stagnierte und die Entwicklung blieb insgesamt hinter den eigenen mittelfristigen Ansprüchen zurück. Vorstandschef Robert Koehler hatte allerdings bereits im März gesagt, dass er mit einem schwachen Geschäft zum Jahresauftakt rechne. An dem Wiesbadener Unternehmen sind die Autobauer BMW (15,7 Prozent) und VW (8,2 Prozent) beteiligt.

Den Erlös aus der Anleihe will die Gesellschaft unter anderem zur Finanzierung eines Kaufs in Portugal sowie für die Erweiterung der lokalen Produktionskapazitäten für den chinesischen Markt verwenden. Dieser dürfte sich aus Sicht des Unternehmens in den nächsten fünf bis zehn Jahren zum weltweit größten Markt für Graphitelektroden entwickeln.

Die Refinanzierung über Wandelanleihen ist günstiger als über Anleihen ohne Option auf den Erwerb von Anteilen. Dafür steigt gegebenenfalls die Zahl der Aktien. Es handelt sich also um eine Art mögliche Kapitalerhöhung mit zeitlicher Verzögerung. Bei SGL Group könnte die Aktienzahl um bis zu knapp neun Prozent steigen. Das Bezugsrecht der bestehenden Aktionäre ist bei der Ausgabe der Wandelanleihe ausgeschlossen.

In den ersten drei Monaten stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 382 Millionen Euro - der operative Gewinn stagnierte bei 36 Millionen Euro.

Bei Vorstellung der Bilanz 2011 im März hatte SGL die Erwartungen für das laufende Jahr hochgesteckt. Danach soll der Umsatz um etwa 20 Prozent wachsen, die Rendite soll zwölf Prozent erreichen. Diese Prognose lasse sich aber nicht linear auf die Quartale herunterbrechen, sagte Firmensprecher Tino Fritsch auf Anfrage. Wegen der Produktionszyklen sei das erste Quartal bei SGL traditionell schwächer. Über das Wachstum werde das zweite Halbjahr entscheiden.

Die SGL Group beschäftigt an ihren weltweit 46 Standorten rund 6500 Menschen. Im vergangenen Jahr hatte der Erlös um zwölf Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zugelegt, während das EBIT um ein Viertel auf 160 Millionen Euro kletterte.

Von Experten wurden die Nachrichten verhalten aufgenommen - die SGL-Titel gingen mit einem Abschlag von 2,97 Prozent auf 34,145 Euro aus dem Handel. Für den DZ-Bank-Experten Dirk Schlamp ist es vor allem eine Überraschung, dass SGL erneut eine Wandelanleihe platziert. Die Zahlen seien nach den bisher bereits pessimistischen Aussagen des Unternehmenschefs wie erwartet schwach ausgefallen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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