Warnstreik bei Porsche

Arbeitskampf trotz Rekordbonus

Die IG-Metall verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn und ruft zum Warnstreik auf. Dabei haben die Auto-Beschäftigten soeben Rekordboni bekommen. Porsche-Arbeitskämpfer Uwe Hück sieht darin keinen Widerspruch.
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Warnstreik bei Porsche

StuttgartEs ist ein Tag, wie ihn Uwe Hück liebt. Der kahlköpfige Hüne steht auf einer Bühne vor dem Zuffenhausener Porsche-Werkstor, hat den Kragen hochgestellt, und brüllt die 3000 versammelten Beschäftigten an. „Wer hat, der gibt, und wer nicht hat, der nimmt“, ruft der Betriebsratschef von Porsche.  „Deshalb sind wir in der IG-Metall. Wir sind solidarisch“.

Es ist Donnerstag, die Gewerkschaft hat zu Warnstreiks aufgerufen, unter anderem im Werk des Sportwagenbauers. Hück stellt vom Podium aus seine Forderungen: 6,5 Prozent mehr Lohn, unbefristete Übernahme der Auszubildenden und ein „vernünftiger Umgang“ mit Leiharbeiten. „Die drei Punkte müssen geklärt werden. Sonst wird im Mai der Tannenbaum brennen und nicht im Dezember“, brüllt der ehemalige Europameister im Thai-Boxen in einem Ton, dass man glauben könnte, unter den Neckarbrücken verhungerten bereits die ersten Porsche-Beschäftigten.

Aber dem ist nicht so. Wer einen Stammarbeitsplatz bei Porsche hat, lebt auf der Sonnenseite der Industrie. Für 2011 schüttete der Sportwagenbauer die Rekordprämie von 7600 Euro aus. Nur 100 Euro weniger bekamen die VW-Mitarbeiter. BMW liegt mit 7650 Euro auf der gleichen Höhe. Am besten erging es den Audi-Arbeitnehmern mit 8251 Euro. Die Prämien entsprechen rund zwei durchschnittlichen Monatsgehältern zusätzlich. Nur Mercedes fällt mit 4100 Euro aus dem Rahmen.

Hück hatte die hohen Boni im März als „genial-intergalaktische Sonderzahlung“ bezeichnet, die sich die Porsche-Mitarbeiter verdient hätten. IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann, zugleich Aufsichtsrat von Daimler und Bosch, sagte: „Der Schlag Sahne oben drauf in diesem Jahr schmeckt extrem gut.“ Das hält die Gewerkschaft aber nicht davon ab, jetzt mobil zu machen.

Rückenwind gaben ihnen die Rekordergebnisse von BMW und Porsche im ersten Quartal. Die Zuffenhausener verkauften vor allem Dank starker Nachfrage aus China, den USA und Deutschland in den ersten drei Monaten mit 30.231 Fahrzeugen ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf drei Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern sprang um ein Fünftel auf 528 Millionen Euro. Den Überschuss teilt der Konzern stets nur auf Jahressicht mit.

Hück will nicht nur die Krümel
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14 Kommentare zu "Warnstreik bei Porsche: Arbeitskampf trotz Rekordbonus"

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  • ich arbeite bei bmw am band als "schrauber" und verdiene im schnitt 1,3-1,4k netto im monat (vollzeit!). bitte wo bin ich jetzt "priviliegiert" im gegensatz zu einem maurer, bäcker und co?? von 2,5k netto im monat kann ich auch nur träumen! ich weiß nicht woher ihr diese zahlen habt...

  • Erstmal solltest Du Dich schämen UNS als "Autoschrauber" zu bezeichen, WIR sind Facharbeiter so wie in jeder anderen Branche auch. Desweitern frage ich mich ob Dir schon klar ist das jeder 3te oder gar 2te Job indirekt an der Autobranche hängt ? Das was aus Dir spricht ist der planke Neid, Du solltest Dich schämen und sonst keiner für Deine unquallifizierten Kommentare die Du hier zum besten gibst. Warum arbeitest Du also nicht selber in der Automobilindustrie wenn da schon alles so "priviliegiert" ist wie Du tönst ? Wer ist die Lokomotive von Deutschland ? Ist ja wohl neben dem Maschienenbau die Metall- & Elektroindustrie bzw Autoindustrie. Ohne UNS gebs warscheinlich Deinen wenn auch "Unterbezahlten" Job gar nicht. Mit freundlichen Grüßen ..... ein Autobauer

  • Dann bewirb Dich doch und arbeite auch in der Automomilindustrie, stell dich jeden Tag 8 1/2 Stunden ans Band und wenn Du dann einmal Pinkeln musst höflich Deinen Vorgesetzen fragen ob Du das denn darfst. Fürs Geld ist einem jeder neidisch aber wenn Du fragst heißts dann so einen "Deppenjob" am Band würd ich nicht machen. lg ein Audi Arbeiter

  • Aha, dann werden dafür also auch keine Rentenbeiträge faällig?

  • Ich glaube, dass die Gewerkschaften und die Besserverdienenden bei den Autoschraubern total den Kontakt zur Realität verloren haben. Wir sollten aufhören, diese Branche zu subventionieren, wenn es mal nicht so läuft und ähnlich wie bei den Banken die erhöhte Eigenkapitalquote für schlechte Zeiten einführen. Diese Erhöhung der Eigenkapitalquote könnte man durch einen Solidarbeitrag der besserverdienenden Arbeitnehmerschaft erzielen und damit den Abstand zu den Ottonormalverdienern zumindest ein wenig wieder angleichen.

    Liebe Autoschrauber, ihr solltet Euch schämen bei der Bezahlung auch noch zu streiken. Die Hälfte der Bevölkerung wäre froh, so einen priviligierten Job zu ergattern.

  • Stimmt! Der Erfolg Deutschlands sollte auch dort ankommen wo er entsteht! Wichtiger als Lohnänderungen ist eine POLITIKÄNDERUNG! Solange unser in jahrzehnten erarbeitete sozialer Wohlstand durch die Politiker innerhalb weniger Jahre "verschenkt" wird, sind die Löhne das kleinere Übel. Was nützen 6,5% mehr Lohn, von denen 6% nur durch die reale (!), nicht die veröffentlichte, Inflation aufgefressen wird sowie 3% an Einkommensteuer draufgehen. Da muß zuerst einmal eine andere Politik gemacht werden. Würden wir nicht unser Geld und "know how" in aller Welt (China) verschenken, wären zur sogar keine Steuererhöhungen notwendig. Deutschland hat kein Einnahmenproblem, sondern ein AUSGABENPROBLEM! Genau das haben unsere Politiker noch nicht verstanden!!!

  • Brötchen sind mindestens so wichtig wie Autos, Immobilien ebenfalls. Warum verdienen die Mitarbeiter der Atomobilindustrie eigentlich soviel ?
    Kann es sein das es nur darin liegt das die gewerkschaftlich organisiert sind ?

  • Also wenn der Arbeitgeber im nächtsen Jahr nochmal eine Sonderprämie ausschüttet, kann er ja nicht ganz dicht sein...
    Die Mitarbeiter sind ja selten dämlich...

  • Hoffe die streikende Arbeiterschaft kann das noch mit dem Bäcker, Maurer, Zimmerer und sonstigen Handwerker vereinbaren. Der wäre schon froh wenn er mal 2500,00 € im Monat verdienen würde. Diese Leute halten aber unsere Wirtschaft am Laufen. Nur weiter so. Das dicke Ende kommt noch.

  • Es geht dabei doch nicht darum, was die Arbeiter bekommen! Die Gewerkschaften werden immer mehr fordern, als angeboten wird. Sonst fragen sich die Mitglieder, warum sie überhaupt die Beiträge bezahlen sollen. Ob das Unternehmen dabei auf kurz oder lang kaputt gemacht wird, ist uninteressant. Es ist auch egal, ob die Leute arbeitslos werden, im Grunde ist es sogar egal, ob die Forderungen letztlich durchgesetzt werden. Man muss danach nur gut darstehen. Das ist halt Politik.

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