Warnung vor Stilllegung
Alte Kraftwerke sollen Energiezufuhr sichern

Die Kapazitäten der Stromerzeugung in Deutschland werden knapp. Die Energiebranche warnt deshalb, ältere Kraftwerke stillzulegen. Sogar Umweltschützer sind in diesem Punkt offenbar auf der Seite der Unternehmen.
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DüsseldorfDie Energiebranche warnt angesichts knapper Stromerzeugungskapazitäten vor einer Stilllegung älterer Kraftwerke. Da mit Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen zu rechnen sei, „sollte die Politik bereits verfügte Stilllegungen älterer Kraftwerke noch einmal überprüfen“, sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Handelsblatt. Umweltschützer stimmen ihr zu. Auch die Bundesnetzagentur hatte kürzlich angesichts drohender Engpässe empfohlen, Altanlagen einsatzbereit zu halten.

Tatsächlich stehen viele ältere Kraftwerke vor dem Aus. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So verbinden Behörden die Genehmigung neuer Anlagen häufig mit der Auflage, ineffizientere ältere Anlagen stillzulegen. Der BDEW geht davon aus, dass allein aus diesem Grunde in den kommenden Jahren 5,4 Gigawatt (GW) Kapazität vom Netz gehen. Das entspricht fünf Großkraftwerken.

Weitere sechs GW stehen vor einer Stilllegung, weil die Kraftwerke den sich verschärfenden Immissionsschutzgesetzen nicht mehr gerecht werden. Da mit der Energiewende das Aus für sämtliche Kernkraftwerke bis 2022 beschlossene Sache ist, sind Engpässe absehbar.

„Der vergangene Winter hat gezeigt, dass die Erzeugungskapazitäten in einigen Regionen knapp sind“, sagte Müller. Der Kraftwerksbestand sollte daher möglichst gesichert werden. Besonders prekär sei die Lage in Bayern und Baden-Württemberg, sagte sie. „Deshalb können wir es uns gerade dort kaum leisten, alte Anlagen ohne eine erneute Analyse der Situation einfach stillzulegen.“

Umweltschützer, die den Weiterbetriebe alter Kraftwerke mit niedrigem Wirkungsgrad und hohen CO2-Emissionen grundsätzlich kritisch sehen, teilen angesichts der akuten Engpässe Müllers Forderung. „Die Lage ist angespannt. Es ist daher sinnvoll, auch alte Kraftwerke am Netz zu halten“, sagte Felix Matthes vom Öko-Institut dem Handelsblatt. Da die alten Anlagen nur für wenige Stunden in Engpasssituationen ans Netz gehen müssten, sei der Emissionsaspekt nicht relevant. „Wir werden uns um die alten Anlagen kümmern müssen. Sie dürfen nicht einfach abgemeldet werden. Das ist das größte Flexibilitätspotenzial, das wir derzeit haben“, sagte er.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • ... wenn sich am 31.12.2022 die Kernenergie für immer aus Deutschland verabschiedet hat, sind mindestens 30 GWp Photovoltaik NEU gebaut, mindestens 20 GW Windkraftanlagen NEU gebaut und 10 GW Speicherkraftwerke NEU gebaut worden. Dazu kommen noch Hunderttausende Kleinspeicher.
    Und wenn sich in 20 oder 30 Jahren andere Länder um die Reste der fossilen Energieträger prügeln, lassen wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen und es uns gut gehen.

    Strom wird doch in Zukunft nicht mehr in Dampfkesseln erzeugt, indem Gas, Kohle, Öl verbrannt oder Atomkerne gespaltet werden. Davon erzählen höchstens noch unsere Enkel ihren Enkeln.

  • Die Energiewende hat viele Aspekte und warten wir mal ab, wie sich die Stromlandschaft in den nächsten zwei Jahren verändert. Wahrscheinlich kann man in zwei Jahren ganzjährig auf Kernenergie verzichten. Den Deutschen bleibt dann ein finanzielles Desaster wie Tepco hoffentlich erspart.

  • Ich stimme Ihnen zu. Die Energiedebatte in Deutschland wird heutzutage "religiös" geführt. Die Parteien auf der Suche nach jeder Wählerstimme richten sich nach einer von den Medien aufgehetzten Bevölkerungsschicht und nicht nach Argumenten einer auf pro und contra aufgebauten vernünftiger Debatte. Nach Fukushima wurde das ganze Energiekonzept kurzerhand um 180 Grad gedreht, ohne an die Konsequenzen zu denken. Energieengpässe, fehlende Netzinfrastruktur, fehlenden Speicherkapazitäten. Die Menschen, ideologisch regelrecht gehirngewaschen in der Meinung regenerative Energie ist automatisch und per se gut, sind keiner rationalen Diskussion mehr zugänglich. Es wird eingeteilt in gut und böse. Man fühlt sich bei regenerativen Energien auf „der“ richtigen Seite, denn man ist ja ein sauberer Mensch und der andere ein Umweltsünder. Damit mich keiner falsch versteht, auch ich sehe das Atommüllproblem und es ist richtig sich nach anderen Energieformen umzusehen, da sich diese Problem nicht vernünftig lösen lässt. Der Wind bläst nun mal nicht immer und die Sonne scheint auch nicht am Abend, wenn die Leute zu waschen beginnen. Ganz zu schweigen von den vielen Windrädern, die jetzt die Landschaft verschandeln. Es gibt schon lange funktionierende Patente in der Nutzung von freier Energie, oder auch Vakuumenergie bzw. Raumenergie genannt. Diese Energieform ist völlig unbegrenzt vorhanden, es entstehen keine schädlichen Umwelteinflüsse und sie ist Orts unabhängig. Nichts muss transportiert werden. Die Patente wurden leider von den Energiekonzernen aufgekauft und sind in irgendwelchen Schulbladen verschwunden. Diese Energieform macht die Menschen nämlich autark, deswegen muss sie unter allen Umständen unterdrückt werden. Wer mir nicht glaubt, soll einfach mal danach googeln. Die Medien berichten auch nicht darüber, denn sie wollen ja nicht ihre Inserenten loswerden

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