Warten deutliche Kursgewinne
Bayern will Eon-Beteiligung verkaufen

Bayern will in den nächsten fünf Jahren seine letzten Beteiligungen verkaufen, vor einer Trennung von seinem Anteil am Energiekonzern Eon aber deutliche Kursgewinne abwarten.

Reuters MÜNCHEN. „Ich gehe davon aus, dass wir am Ende der nächsten Legislaturperiode keine nennenswerten Industriebeteiligungen mehr haben werden“, sagte Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) am Samstag in einem Reuters-Interview in München. Ein Verkauf des knapp fünfprozentigen Eon-Anteils komme aber nur bei einem Kurs „um 60 €“ in Frage, was weit entfernt vom Freitagskurs von 47,10 € liegt. Heilig bleibe dem Land in jedem Fall das weltberühmte Münchner Hofbräuhaus: „Es wird nicht verkauft“, sagte der Minister.

Bayern hatte in den letzten Jahren die meisten Staatsbeteiligungen verkauft und damit maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg des Bundeslandes beigetragen. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) investierte das Geld in die Ansiedlung von Hightechfirmen und Wissenschaftszentren. Doch auch nach der Privatisierungswelle umfasst der staatliche Beteiligungsbericht immer noch 282 Seiten.

Faltlhauser nannte erstmals Bedingungen für einen Verkauf des restlichen Eon-Anteils, nachdem sich CSU-Politiker in der Vergangenheit mit Aussagen zu diesem für die Märkte sensiblen Thema zurückgehalten hatten: „Zuletzt haben wir bei einem Kurs von 64 € (Eon-Anteile) verkauft. Neue Verkäufe müssen sich an dieser Marke messen lassen. Der Kurs muss in dieser Gegend um 60 € liegen.“ Ein kurzfristiger Verkauf des Eon-Anteils an dem Düsseldorfer Energiekonzern scheint damit nicht unmittelbar auf der Agenda zu stehen: Die Eon-Aktie schloss am Freitagabend bei 47,10 €.

Die Eon-Beteiligung geht auf die Fusion der Stromversorger Veba und Viag zurück. Der Freistaat hatte damals knapp 5,5 % am Eon-Grundkapital erhalten. Im Sommer 2001 hatte Bayern seinen Anteil unter die Fünf-Prozent-Marke gedrückt und kassierte dafür etwa 479 Mill. €.

Faltlhauser schloss trotz knapper öffentlicher Kassen einen Verkauf des 1589 durch Herzog Wilhelm V. von Bayern gegründeten „Königlichen Hofbräuhaus“ kategorisch aus. „Das Hofbräuhaus ist eine Traditionsbeteiligung, die außerhalb der rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung liegt.“ Im vergangenen Jahr überwies die Brauerei des vor allem bei Touristen beliebten Bierlokals im Herzen Münchens immerhin einen kleinen Gewinn von rund 239 000 € an die Staatskasse. Auch die zahlreichen Staatsbäder und der Anteil an der Bayerischen Landesbank (BayernLB) stünden nicht zur Disposition, betonte der Minister.

In den nächsten Jahren sei auch nicht mit einem Verkauf der Anteile von Land und Stadt München an dem zweitgrößten deutschen Flughafen zu rechnen: „Ich bin mit dem Münchener Oberbürgermeister (Christian Ude, SPD) einig, dass wir die Entwicklung des Flughafens Münchens in den nächsten Jahren gemeinsam begleiten wollen“, sagte Falthauser. „Ich gehe deshalb davon aus, dass ein Verkauf in den nächsten Jahren kein Thema ist.“ Das Land hält gut 51 % der Flughafen-Anteile, die Stadt München etwa 23 %, der Rest liegt beim Bund.

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