Warum Fiat wieder Gewinne einfährt
Das Wunder von Turin

Innerhalb von zwei Jahren hat der Sergio Marchionne die angeschlagene Fiat-Autosparte wieder profitabel gemacht und nebenbei eine kleine Kulturrevolution im Konzern ausgelöst. Wie der Italo-Kanadier es geschafft hat, dass der italienische Traditionskonzern wieder Gewinne einfährt.

TURIN. Der Mann geht stets als Gewinner vom Platz – selbst wenn er mal verliert. Beim Rommé-Spiel mit seinen Mitarbeitern zum Beispiel, mit dem er sich bei längeren Flügen gern die Zeit vertreibt. „Das ist für die meisten keine besonders entspannende Angelegenheit“, erzählt einer seiner Mitspieler. Man hat stets den Eindruck, dass er ab und zu absichtlich verliere, um zu testen: Wie reagieren denn die Leute, wenn sie ihren Chef besiegt haben?

Ob er solche Niederlagen kalkuliert oder nicht, es ist stets dasselbe Gefühl, das Sergio Marchionne bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern hinterlässt: Er lässt jedermann seine Überlegenheit spüren. Selbst bei einem Kartenspiel, in Situationen, in denen es um nichts geht, gibt er die Richtung und das Ergebnis vor. Er bestimmt, wer gewinnt und wer verliert, was richtig und was falsch ist. Das gilt erst recht, seitdem der 55-Jährige Italiens Industrie-Ikone Nummer eins gerettet hat: Fiat.

Zwei Jahre ist es her, dass der Italo-Kanadier die Führung der Autosparte mit den Marken Fiat, Lancia und Alfa übernommen hat – parallel zu seiner Arbeit als Vorstandsvorsitzender des Konzerns. In dieser Zeit hat er den finanziellen Kollaps abgewendet und die Autosparte wieder in die Gewinnzone gebracht. Zum ersten Mal seit 2000 schreibt der Bereich wieder schwarze Zahlen.

Der Marktanteil ist europaweit auf zuletzt knapp neun Prozent gestiegen. Und Marchionne ist der Held. Politiker, Medien und Investoren feiern den Mann mit den leicht zersausten, grauen Haaren und der Raucherstimme als Retter des zuvor bereits abgeschriebenen Nationalsymbols.

Ganz nebenbei hat er auch noch einen neuen Modestil geprägt – den „Marchionne-Style“. Statt Anzug und Krawatte trägt der Fiat-Boss lieber einen Pullover über seinen Hemden. „Ich kann so besser arbeiten“, sagt er. In einem Land, wo schon kleine Kinder lernen, eine „bella figura“ zu machen und der Anzug aus feinem Zwirn ein Muss ist, grenzt ein Pullover an eine Revolution.

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