„Warum reden alle nur über Hektoliter?“
Warsteiner braut weniger

Bei Deutschlands einstmals größter Privatbrauerei Warsteiner geht es seit Jahren mengenmäßig bergab.

HB WARSTEIN. Erst gab die „Königin der Biere“ den Thron als Ausstoß-Primus an den Erzrivalen Krombacher ab, jetzt richtet sich Warsteiner auf einen Jahresausstoß von 3,5 Millionen Hektoliter ein. Noch Mitte der 90-er Jahre brauten die Sauerländer mehr als sechs Millionen Hektoliter Bier. Doch das Management sieht sich auf dem richtigen Weg: „Ich habe es satt, immer nur über Hektoliter zu reden“, sagt Gustavo Möller-Hergt. Letztlich sei es ihm egal, ob es 100 000 Hektoliter mehr oder weniger seien, fügt er hinzu.

„Das Unternehmen ist kerngesund“, auch wenn der Ausstoß in diesem Jahr erneut um sieben bis acht Prozent auf rund vier Millionen Hektoliter schrumpfe. Trotz steigender Marketing-Ausgaben würden die Gewinne wachsen, sagt Möller-Hergt. Jeder Euro, der übrig bleibe, werde in die Zukunft der Brauerei investiert. Das sei auch die Linie von Inhaber Albert Cramer und seiner Tochter Catharina, die sich derzeit auf ihre Rolle als Brauerei-Chefin vorbereitet. „Ich bin froh, dass ich nicht für eine Aktiengesellschaft arbeite, wo nur kurzfristig an Profite gedacht wird“, sagt Möller-Hergt. Bis 2008 würden allein in die technische Erneuerung 120 Millionen Euro investiert. Wie viel Warsteiner verdient, sagt Möller-Hergt nicht. „Ich würde die Ergebnisse gern publizieren“, sagt er. „Denn darauf können wir wirklich stolz sein.“

Seit der Brauer-Sohn aus Argentinien vor zwei Jahren das Ruder bei Warsteiner übernommen hat, gelten im Sauerland andere Gesetze. Gesetze, mit denen ein Teil des Managements zunächst nicht klar kam. Für Irritationen sorgte zudem die ungeklärte Nachfolge-Frage. Bis Albert Cramer vor Jahresfrist seine Tochter Catharina als künftige Brauerei-Chefin vorstellte, hatte es Spekulationen bis hin zum Verkauf an einen ausländischen Braukonzern gegeben. Möller-Hergt ordnete die Vertriebsstrukturen neu, stellte Verkäufer ein und reduzierte im Gegenzug das Personal der auf eine Jahresproduktion von neun Millionen Hektoliter ausgelegten Brauerei. „Das ist jetzt abgeschlossen“, sagt er.

Bis sich der Paradigmenwechsel, der mit einer Hochpreis-Politik einher geht, auch im Ausstoß niederschlagen werde, könne es aber noch zwei bis drei Jahre dauern. Die Talsohle in der ungeliebten Mengenangabe „Hektoliter“ sieht Möller-Hergt bei einem Jahresausstoß von 3,5 Millionen. Denn auch für 2005 rechnet er mit einer Durststrecke. „Ich denke, wir werden noch einmal vier bis fünf Prozent Menge verlieren“, prognostiziert er. Bei der Frage, wie lange Warsteiner die Schrumpfkur noch aushalte, braust Möller-Hergt auf. „Es gibt Brauereien, die haben keine zwei Millionen Hektoliter und die machen trotzdem Gewinne.“ Die Preiserhöhungen, mit denen sich Warsteiner an Preisführer Becks ankoppeln will, verteidigt Möller-Hergt. „Wir können uns das leisten.“

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