So wie Expotechnik GmbH, ein Anbieter von Messekonzepten und -Modulen, deren Zentrale sich in Taunusstein nahe Wiesbaden befindet, die aber in den USA, Mexiko, Japan und Australien Tochterfirmen hat. 1987 eröffnete Expotechnik in Chicago ihre erste US-Niederlassung, zog aber ein Jahr später nach Atlanta. Heute befindet sich das Hauptquartier von Expotechnik USA mit seinen 66 Mitarbeitern in Suwanee im Norden von Atlanta, nicht weit von Kennesaw, wo sich Heidelberg USA angesiedelt hat.
Neben der zentralen Lage seien es vor allem zwei Gründe gewesen, die den Ausschlag für Atlanta gegeben hätten, sagt Philip Soschinski, während er durch einen Showroom führt, der moderne Messestände aus Glas und Aluminium in unverkennbar europäischem Design zeigt. Soschinski ist Junior-Chef des Unternehmens und Geschäftsführer der amerikanischen Tochterfirma. Grund Nummer eins sei die geringe Kontrolle durch die Gewerkschaften, die „gerade in unserer Branche, dem Messebau, traditionell stark“, regional im Süden allerdings eher schwach aufgestellt sind. In Chicago dagegen, wo die Gewerkschaften von jeher eine wichtige Rolle spielen, hätten die Produktionskosten bis zu 40 Prozent höher gelegen als in Atlanta, betont Soschinski. Zum anderen, Grund Nummer zwei, sei Atlanta ein zentraler Messestandort in den USA.
Verschiedene Organisationen, vor allem die Deutsch-Amerikanische Handelskammer Süd in Atlanta, helfen kleinen und mittelständischen deutschen Firmen bei der Ansiedlung im amerikanischen Süden – mit erschwinglichen Starthilfepaketen, Adress- und Geschäftspartnersuche, Vermittlung von Rechts- und Finanzberatung sowie mit der Vermittlung staatlicher Förderprogramme. „Der amerikanische Südosten“, sagt der deutsche Botschafter in Washington, Klaus Scharioth, „gehört zu den vitalen und wachsenden Wirtschaftsregionen in den USA.“
Das war allerdings nicht immer so. Erst die Olympischen Spiele in Atlanta 1996 und der G8-Gipfel auf Sea Island in Georgia 2004 brachten der Region den steilen Aufstieg zu einem internationalen Wirtschafts- und Geschäftszentrum. Eine Entwicklung, die weitergeht, davon ist zumindest Botschafter Scharioth überzeugt: „Der Flughafen, die Olympischen Spiele, das Geschäftsklima, das G8-Treffen – all das hat den amerikanischen Süden zu einem ökonomischen Powerhouse gemacht.“
Von den Staaten des Südens ist Georgia der wirtschaftlich erfolgreichste. Georgia – das heißt vor allem: Atlanta – ist der am viertstärksten wachsende Bundesstaat der USA. Jedes Jahr verzeichnen die Behörden einen Zuzug von 100 000 zumeist jungen Menschen. „Einer unserer größten Aktivposten sind unsere Arbeitskräfte“, sagt Kenneth Stewart, Kommissar für wirtschaftliche Entwicklung, der sich selbst augenzwinkernd als „Marketing-Chef“ von Georgia bezeichnet. Zudem lädt das Geschäftsklima zur Ansiedlung von Unternehmen ein: Neben der geringen gewerkschaftlichen Kontrolle sind das vor allem erschwingliche Immobilienpreise, günstige Löhne und niedrige bürokratische Hürden.
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