Stewart weist außerdem auf einen weiteren Faktor hin, den Marcel Kiessling und Philip Soschinski als „hohe Lebensqualität“ bezeichnen: „Die viel gerühmte Southern Hospitality, die Gastfreundschaft des Südens, ist ein ökonomischer Faktor, den die Welt noch nicht wirklich entdeckt hat.“
Im Gegensatz zu dem liberalen Umgang mit bürokratischen Anforderungen, von dem Heidelberg USA profitiert hat. In Kennesaw hat der Konzern etwa sein Hauptquartier ganz nach den eigenen Anforderungen bauen können, betont Manager Kiessling. Herausgekommen ist ein großzügiger, moderner Flachbau, dessen Herzstück ein 3 000 Quadratmeter großer Showroom ist, einer der größten der Branche. Hier surren und rattern im ruhigen Takt unter hellem Neonlicht die Druckmaschinen, die Walzen, Pressen, Falt-, Stanz- und Schneidemaschinen. Maschinen wie der XL 105 Speedmaster, der beidseitig und in den schillerndsten Farben bis zu 18 000 Bögen pro Stunde druckt. „Das ist Präzisionsarbeit“, sagt Kiessling, und dafür muss der Boden absolut eben sein, sehr robust und stabil. „So einen Boden findet man nicht in einem normalen Bürogebäude“, sagt Kiessling.
Er ist mit der Standortwahl vollauf zufrieden. Auch wenn die Wiese heute nicht mehr nur grün ist und sich am „Gutenberg Drive“, so lautet die Adresse von Heidelberg USA, mittlerweile eine Reihe anderer Firmen niedergelassen hat, so „gibt es noch immer Erweiterungsmöglichkeiten“, betont der Manager. Ausschlag für Atlanta habe außerdem die zentrale Lage gegeben: Der Hartsfield-Jackson International Airport in Atlanta ist mit mehr als 80 Millionen Passagieren im Jahr nicht nur das verkehrsreichste Luftdrehkreuz der Welt. Auch hat Georgia mit Savannah und Brunswick zwei große Überseehäfen, die von 60 Schifffahrtslinien angelaufen werden. Das ist ein wichtiges Argument für ein Unternehmen wie Heidelberg USA, das seine Maschinen in Deutschland produziert und in die USA einführt.
Auf den Maschinen werden vor allem Geschäftsberichte, Broschüren, Hochglanzkataloge und Marketingmaterial produziert. Von den knapp 1 000 Mitarbeitern in den USA arbeiten etwa 350 im Hauptquartier in Atlanta und die anderen an zehn Standorten über das Land verteilt, die meisten in Call-Centern oder im Service.
Auch in Atlanta gibt es einen Call-Center – in beigefarbenen Würfeln sitzen Mitarbeiter mit hippen Headsets und nehmen Anrufe von Kunden entgegen. Über Flachbildmonitore flimmern bunte Bilder und Grafiken und Landkarten, auf denen die Standorte verzeichnet sind, wo Heidelberg USA Vertretungen unterhält. 65 Prozent der Probleme können telefonisch gelöst werden, sagt Kiessling.
Eines, dass nicht zu diesen 65 Prozent gehört, ist die Rekrutierung von geeigneten Servicemitarbeitern. „Es ist nicht einfach, erfahrene Mitarbeiter im Service zu finden, allein schon, weil es in den USA die klassischen Ausbildungswege wie in Deutschland nicht gibt“, sagt Kiessling. Deshalb schult Heidelberg seine Mitarbeiter in einem eigenen „Apprenticeship“-Programm. Und in diesem Fall ist der Standort USA ausnahmsweise nicht gefragt. Oft werden die Trainees zu Ausbildungszwecken für ein paar Wochen außer Landes geschickt – nach Deutschland.

