Was Stada aus dem Fall Aventis lernen will
Nur bedingt abwehrbereit

Nur wenige deutsche Firmen sind auf feindliche Übernahmen vorbereitet. Das Thema Verteidigung steht in vielen deutschen Unternehmen deshalb wieder ganz oben auf der Agenda. Firmen wie Stada suchen nach Abwehrstrategien.

FRANKFURT. Es ist kein guter Morgen für Hartmut Retzlaff. Als der Vorstandschef des Pharmakonzerns Stada am 24. Juni die Zeitung aufschlägt, steht sein Unternehmen völlig unverhofft in den Schlagzeilen. Gleich zwei Blätter berichten, dass der Verkauf des Konzerns bevorstehe, der Konkurrent Teva arbeite an einer Offerte. Etwa 36 Euro je Aktie wollten die Israelis bieten. An der Börse schießt der Stada-Kurs um 20 Prozent in die Höhe. Verblüfft fragt sich der bodenständige Hesse Retzlaff, was da auf ihn zukommen mag.

„Nur etwa ein Drittel aller Dax-Firmen ist professionell auf eine feindliche Übernahme vorbereitet“, erzählt ein Frankfurter Investmentbanker. Dabei haben vor allem Ausländer Deutschland als lukrativen Übernahmemarkt entdeckt. In diesem Jahr haben internationale Investoren deutsche Unternehmen im Wert von knapp 66 Milliarden Dollar gekauft – das sind vier Milliarden mehr als im Boomjahr 2000.

„Das Thema Verteidigung steht in vielen deutschen Unternehmen wieder ganz oben auf der Agenda“, sagt Malcolm Thwaites, der Co-Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland. Firmen wie Stada suchen nach Abwehrstrategien, und um zu lernen, studieren sie Fälle wie den des Pharmakonzerns Aventis, der jüngst geschluckt wurde.

Hinter den Fassaden der Stada-Zentrale in Bad Vilbel beschäftigt sich Vorstandschef Retzlaff bereits seit Wochen mit dem Thema Abwehr. Sein Problem ist sein Erfolg: Seit 1994 führt er den Konzern. Mit dem Grippecocktail Grippostad und Medikamenten von ASS bis Paracetamol legte Stada ein beeindruckendes Wachstum hin. Das weckt Begehrlichkeiten. Im vergangenen Jahr gab es tatsächlich schon einmal einen Annäherungsversuch von Teva. Ein Aufsichtsrat fragt sich jetzt, ob die Presseartikel nicht der Auftakt zu einem Großangriff sind.

Hinter verschlossenen Türen lassen die Stada-Manager Ende Juni Investmentbanker und Anwälte zum Schaulaufen antreten. „Beauty-Contest“ heißt ein solches Auswahlverfahren im Bankersprech. Doch was können die Berater im Ernstfall tatsächlich tun?

„Zunächst einmal geht es um handwerkliche Vorkehrungen“, erläutert Lazard-Banker Thwaites. Standardinstrument ist das „Defence Manual“. Im Verteidigungshandbuch wird haarklein aufgelistet, wie im Ernstfall die Abwehr zu organisieren ist. Das reicht von Telefonnummern von Bankern und Politikern bis zu vorformulierten Presseerklärungen.

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