Waschmittel-Hersteller
Der Verbraucher leidet unter milden Kartellstrafen

Jahrelang haben die großen Waschmittelhersteller ihre Preise abgesprochen. Dieses Kartell flog auf - aber die Strafen sind lächerlich gering. Die EU erkauft sich eine schnelle Abwicklung mit enormen Rabatten. Der Dumme ist der Verbraucher.
  • 1

Wenn es nicht so ernst wäre, man müsste auf das alberne Wortspiel mit dem "Reinwaschen" zurückkommen: Die EU-Kommission hat große Waschmittelhersteller zu Kartellbußen von 315 Millionen Euro verdonnert. Das hört sich nach einer hohen Strafe an, ist aber eher ein schlechter Witz - zulasten des Verbrauchers.

Das belegt, wenn man genau hinschaut, auch schon das Verhalten der Behörde: Denn üblicherweise ist die EU nicht um freche Worte verlegen, wenn man durch Kartellstrafen den Wettbewerb "rettet". Doch obwohl es sich um einen durchaus schweren Fall handelt - immerhin haben Procter & Gamble, Unilever und Henkel von 2002 bis 2005 Preise abgesprochen - blieb man in Brüssel diesmal erstaunlich bescheiden.

Aus gutem Grund, denn das Verfahren glich eher einer Rabattschlacht als einer Bestrafung. Dass Henkel als Kronzeuge ohne Geldbuße davon kam, mag ja noch angehen. So ist eben die Regelung.

Aber dass Procter & Gamble "nur" 211 Millionen Euro zahlen muss, sollte zu denken geben. Das bedeutet einen Abschlag von 50 Prozent auf die eigentliche Buße; Unilever bekam einen Rabatt von 25 Prozent. Ach ja. Und zehn Prozent habe es für beide noch einmal obendrauf, weil sie gegen den Deal keinen Protest einlegen und sich einverstanden erklären. Die restliche Summe zahlen solche Konzerne - mit Verlaub - aus der Portokasse.

Nun gut, die beiden Konsumgüterriesen haben kooperiert. Aber doch erst zu einem Zeitpunkt, an dem an ihrer Schuld ohnehin nicht mehr viel zu deuteln war. Und für die EU-Behörden ging es wohl auch darum, das Verfahren in nur drei Jahren abzuarbeiten.

Kurzfristig mag das also für die direkt Beteiligten eine gute Sache sein. Doch der Verlierer steht an der Supermarktkasse. Denn der Verbraucher wird angesichts solcher Deals noch lange mit überhöhten Preisen durch Kartelle zurechtkommen müssen. Schließlich geht Abschreckung anders: Das Risiko, hart bestraft zu werden, ist allzu gering. Warum also nicht über Jahre hinweg mit Absprachen und überhöhten Preisen kräftig Geld verdienen? Dem Kunden bleibt nur, die Konzerne mit Boykott zu bestrafen. Doch wie viele Verbraucher wissen schon, ob die Waschmittelmarke "Ariel" zu Unilever oder Procter & Gamble gehört?

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

Kommentare zu " Waschmittel-Hersteller: Der Verbraucher leidet unter milden Kartellstrafen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein sehr guter Kommentar – vielen Dank dafür. Seit Herr Almunia Wettbewerbskommissar ist, diesen Eindruck hat man, ist die EU-Kommission gegenüber Wettbewerbssündern deutlich nachsichtiger geworden. Es hat den Anschein, als ordne sich die EU-Wettbewerbspolitik – wie in den alten Zeit bis Mitte der 90er Jahre – wieder den Industriepolitischen Zielen unter (siehe dazu http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/08/industriepolitik-in-der-krise-neue-wege.html).

    Das bedeutet im Klartext, dass die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere der europäischen Konzerne – auch in der Wettbewerbspolitik ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht. Und das geht nicht nur zu Lasten der Verbraucher, sondern auch zu Lasten mittelständischer Unternehmen und des Wettbewerbs. Wir erleben das nicht nur in Industriesektoren, die von großen Konzernen dominiert werden. Wir erleben es auch im Bankensektor, wo Megafusionen dem „Too big to fail“-Problem zum Trotz erlaubt, Regeln weichgespült und Staatshilfen für Dumping-Konditionen missbraucht werden. All das kommt Verbraucher und Steuerzahler teuer zu stehen.

    Es hat nicht den Anschein, dass die Politik etwas daran ändern will. Im Gegenteil, sie betreibt Klientelpolitik, wovon gerade jene Branchen profitieren, die von Konzernen beherrscht werden.

    Vor diesem Hintergrund können sich die Verbraucher nur wehren, indem sie bewusster Kaufentscheidungen treffen (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/krisenbewaltigung-die-vergessene-macht.html). Leider geschieht das bisher in viel zu geringem Umfang – wenn man einmal vom Boykott des „Biosprits“ E10 absieht. Das muss sich ändern, sonst werden wir weiterhin die Preise diktiert bekommen und brav zahlen müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%