Washington hat letztes Wort
Cerberus zittert um Chrysler-Deal

Bei der geplanten Zusammenarbeit zwischen den Autokonzernen Fiat und Chrysler hat die US-Regierung das entscheidende Wort. Ohne neuerliche Staatshilfen aus Washington platzt das Geschäft mit Fiat. Die Kritik an der nächsten Rettungsaktion in den USA wächst.

NEW YORK. Zwar haben die Hersteller gerade erst eine weitreichende Kooperation angekündigt, die Chrysler Zugang zu europäischer Kleinwagen-Technologie und Fiat im Gegenzug den Wiedereinstieg in den US-Markt ermöglichen soll. Ob der italienische Konzern aber wie angekündigt 35 Prozent der Anteile von Chrysler übernimmt, hängt zwingend von weiteren Staatshilfen aus Washington ab.

Der Vertrag werde nur bindend, wenn die US-Regierung dem finanziell ausgezehrten Chrysler-Konzern weitere drei Mrd. Dollar Steuergelder überweise, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Kreise. Eine Chrysler-Sprecherin wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Das Unternehmen benötige allerdings weitere staatliche Hilfen im Volumen von drei Mrd. Dollar, um die Überlebensfähigkeit des Konzerns zu sichern, hieß es.

Die frühere Tochterfirma des Daimler-Konzerns hatte kurz vor Weihnachten bereits vier Mrd. Dollar aus dem Staatssäckel erhalten. Die Umsätze von Chrysler und den anderen US-Herstellern brechen aber derart rasant ein, dass das Kapital innerhalb weniger Monate versickert. Allein Chrysler hat in der zweiten Jahreshälfte 2008 rund zehn Mrd. Dollar Liquidität verbrannt.

Jetzt macht sich die neue Regierung ans Werk, um den Untergang von Chrysler sowie seinen Rivalen General Motors (GM) und Ford zu verhindern. Washington hat GM und Chrysler aufgefordert, bis 17. Februar einen detaillierten und tragfähigen Businessplan vorzulegen. Mit Fiat im Boot sieht Chrysler nun eine bessere Chance, um Ende März die nächste Staatshilfen-Tranche zu bekommen. Chrysler-Chef Robert Narelli sprach zu Wochenbeginn von einem „Return on Investment für den amerikanischen Steuerzahler“, weil er den Konzern im Verbund mit Fiat für „langfristig überlebensfähig“ halte.

Branchenexperten indes sind skeptisch. Zwar zeige Chrysler der US-Regierung mit dem Fiat-Deal ernsthafte Bemühungen, einen langfristig überlebensfähigen Businessplan auf die Beine zu stellen, wie die Analysten von Global Insight in einer aktuellen Studie schreiben. Die Kritik an weiteren Staatshilfen für Chrysler könnte sich jedoch als gefährlicher Stolperstein erweisen: Der republikanische Senator Bob Corker aus Tennessee hatte kürzlich betont, Chrysler müsse „fusionieren oder verschwinden“.

Jetzt sieht es nach einer Not-Hochzeit aus, die ausschließlich Washington finanzieren soll. Der US-Steuerzahler müsste demnach mit weiteren Milliarden ins Risiko gehen, während weder Chrysler-Eigentümer Cerberus noch der Kooperationspartner Fiat frisches Kapital in das hochdefizitäre Unternehmen stecken. US-Senator Corker zeigte sich besorgt, dass der Finanzinvestor Cerberus über neue Staatshilfen in eine „bessere Position“ gebracht werde, um bei Chrysler aussteigen zu können. Auch Fiat hat sich ausbedungen, bei der Kooperation kein eigenes Kapital zu riskieren. Chrysler soll Firmenangaben zufolge nur mit Technologie versorgt werden, damit in einigen US-Werken bald Kleinwagen wie der Fiat 500 gebaut werden können.

Investoren senkten am Mittwoch den Daumen: Fiat-Aktien fielen bei 4,21 Euro auf den niedrigsten Kurs seit 1985. Dahinter steckt die Angst, dass der italienische Konzern Buchverluste einstecken könnte, ohne im operativen Geschäft rasch Vorteile zu erzielen. Zudem machten Spekulationen über verstärkte Absatzprobleme und eine weitere Betriebsunterbrechung die Runde. Die Bänder zur Herstellung von Fiat-Motoren in Turin sollen ab Mitte Februar für zwei Wochen stillstehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise.

Beim neuen Partner Chrysler stehen viele Bänder bereits seit Wochen still. Auf eigene Faust kann es der US-Konzern längst nicht mehr schaffen. Auf der gerade beendeten Detroit Motorshow hat Chrysler nicht ein einziges neues Modell für 2009 vorgestellt, weil Cerberus die Produktentwicklung aus Kostengründen nahezu völlig auf Eis gelegt hat.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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