Wasserkraftwerk
Brasilien hebt Baustopp wieder auf

  • 0

BrasiliaDer Weg ist frei für den Bau eines Wasserkraftwerks im Amazonas-Gebiet.

In Brasilien hat ein Bundesgericht einen erst vor wenigen Tagen verhängten Baustopp für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet kassiert. Bundesrichter Olindo Menezes begründete dies am Donnerstag damit, dass für die Teilgenehmigung zum Baubeginn noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein müssten.

Mit der Entscheidung können die Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pará wieder aufgenommen werden. Ein Richter in Belém hatte am vergangenen Freitag dagegen den sofortigen Baustopp wegen mangelnder Einhaltung der Umweltauflagen verfügt und zugleich die Finanzierung des umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teuren Projektes durch Brasiliens staatliche Entwicklungsbank BNDES auf Eis gelegt.

Die Umweltbehörde (Ibama) gab erst im Januar grünes Licht für vorbereitende Arbeiten und die Rodung von 240 Hektar Wald. Staatspräsidentin Dilma Rousseff setzt sich wie ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva massiv für den Bau des Kraftwerkes an dem Amazonas-Seitenarm im Bundesstaat Pará ein.

Das Kraftwerk soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energía SA verantwortlich. Die Anlage wäre mit einer Leistungskapazität von mehr als 11 000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für die achtgrößte Volkswirtschaft für notwendig.

Die am und vom Xingu-Fluss lebenden Indios, die katholische Kirche, Menschenrechtler und Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt. Die Kritiker befürchten unkalkulierbare Auswirkungen auf die Umwelt und sehen die Lebensgrundlagen der Indios massiv bedroht. Sie befürchten, dass Belo Monte mindestens 20 000, möglicherweise sogar 50 000 Menschen vertreiben wird. Insgesamt sollen für die Staubecken mehr als 500 Quadratkilometer Fläche überflutet werden.

dpa

Kommentare zu " Wasserkraftwerk: Brasilien hebt Baustopp wieder auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%