
Frankfurt/MünchenSiemens treibt seinen Konzernumbau voran. Für die Wassertechnik hat der Konzern Finanzkreisen zufolge nun die Investmentbanker von Goldman Sachs angeheuert, um einen Käufer zu finden. Das Verkaufsverfahren soll offiziell im zweiten Quartal starten, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen sagen. Goldman und Siemens lehnten eine Stellungnahme ab.
Die Wasseraufbereitungstechnik mit ihrem Umsatz von einer Milliarde Euro und rund 600 Mitarbeitern hat sich Siemens in knapp zehn Jahren teuer zusammengekauft. Das Segment ist vor allem in den USA aktiv, wo sich Siemens 2004 für eine Milliarde Dollar den Wettbewerber US Filter einverleibte. Dort hat das Geschäftsgebiet auch seinen Hauptsitz. Experten erwarten daher, dass sich vor allem die amerikanischen Rivalen Xylem und Pentair für die Siemens-Sparte interessieren dürften.
Daneben rechnen Insider auch mit Interesse aus Fernost, wo es derzeit die größten Wachstumsraten in der Aufbereitungsbranche gibt. „Asiatische Unternehmen werden wahrscheinlich auch ihren Hut in den Ring werfen“, sagte einer. Die Konkurrenten Kurita, Hyflux, Hitachi und Marubeni werden gehandelt. Daneben gelten Finanzinvestoren wie KKR, Permira oder Bain als generell interessiert.
Die Münchner knüpften einst große Hoffnungen an das Geschäft mit Stadtwerken weltweit, konnten sich allerdings gegen lokale Anbieter kaum durchsetzen. Zudem fehlten Synergien mit anderen Konzerneinheiten. Das Siemens-Management stört sich außerdem an den verhältnismäßig geringen Renditen der Sparte.
Der Münchner Konzern trennt sich derzeit von mehreren randständigen Geschäftsfeldern. Dazu gehört neben der Wassertechnik auch die Leuchtmitteltochter Osram, die verlustträchtige Solarsparte sowie das Geschäft mit Sortieranlagen.
Die Problemtochter Nokia Siemens Networks besserte sich zuletzt. Nach verlustreichen Jahren verzeichnete der Netzwerkbauer zwei Quartale mit stabilen Umsätzen und Gewinn. Die beiden Mütter Siemens und Nokia wollen auf absehbare Zeit allerdings noch an ihren Anteilen festhalten, bis sich der jüngste Erfolg von NSN verstetigt hat.
Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung ist für den weiteren Jahresverlauf geplant. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.
Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl im vergangenen Jahr den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.
Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.
Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.
Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wird ein Abnehmer gesucht.
Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Im Frühjahr kommt für 680 Millionen Euro die belgische LMS hinzu. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für insgesamt mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Bleibt zu wünschen, dass der Spartenverkauf
1. genügend Geld in die Kasse spült und nicht zum Ramschgeschäft wird und
2. das eigenommene Geld strategisch sinnvoll wieder in Siemens investiert wird.
Die Parole "12% Ebit" und wir sind bei "Industry", "Energy" und "Health Care" sowie "I&C" unterwegs ist keine Zukunftsstrategie. Die fehlt mir bisher.
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