Waymo Google bringt Roboterautos nach Europa

Waymo denkt über einen Markteintritt in Europa nach. Mit den neuen Tests weitet Googles Autoeinheit seine Kooperation mit Fiat Chrysler aus.
Update: 07.06.2018 - 11:01 Uhr Kommentieren
Waymos Roboterautos bei der Testfahrt in der Nähe des Hauptquartiers von Fiat Chrysler im Örtchen Balocco in Piemont.
Autonomes Fahren

Waymos Roboterautos bei der Testfahrt in der Nähe des Hauptquartiers von Fiat Chrysler im Örtchen Balocco in Piemont.

San FranciscoGoogles Autoeinheit Waymo hat seine autonomen Fahrzeuge erstmals außerhalb der USA getestet und denkt über einen Markteintritt in Europa nach. „Wir haben Waymos Technologie das erste Mal nach Europa gebracht“, erklärte Waymo-Chef John Krafcik am Mittwochabend bei der Automotive News Conference im italienischen Turin.

Die Fahrzeuge waren am 1. Juni auf einem Testgelände in der Nähe des Hauptquartiers von Fiat Chrysler im italienischen Balocco unterwegs. Die Autos des Typs Chrysler Pacifica Hybrid operierten während der insgesamt 70 Testfahrten im voll autonomen Modus (Level 4-Autonomie) und ohne Sicherheitsfahrer. Sie trafen alle sicherheitskritischen Entscheidungen selbst, wichen Fußgängern oder Vögeln aus, interagierten mit anderen Fahrzeugen, die in ihre Spur hinein wechselten.

Mit den Tests weitet Waymo seine Kooperation mit Fiat Chrysler aus, die seit 2016 besteht. Erst vergangene Woche kündigte die Tochter der Google-Mutterkonzerns Alphabet an, von dem italienisch-amerikanischen Konzern 62.000 Mini-Vans für den fahrerlosen Fahrservice zu erwerben, der ab Ende des Jahres in den USA starten soll. Ab 2019 will Waymo mit dem britischen Autobauer Jaguar 20.000 Exemplare eines autonomen Jaguar I-Pace produzieren.

Nun bringt Waymo erstmals einen Markteintritt im europäischen Markt ins Spiel. „Ich denke, es gibt für uns bei Waymo auch eine Chance, hier in Europa zu experimentieren“, kündigte Krafcik an. Ob Waymo weitere Kooperationen mit europäischen Autobauern plant, wurde zunächst nicht bekannt.

„Der Vorteil einer Partnerschaft mit Waymo für einen Autobauer besteht darin, die autonome Technologie schneller an den Markt zu bringen“, erklärt der renommierte Marktbeobachter Jim Hines von Tech Insights.

Allerdings seien die Vorbehalte in der Branche nach wie vor groß. „Viele Autobauer sind Google gegenüber misstrauisch, weil sie Angst haben, die Kontrolle über Fahrzeugdaten und die Erfahrung der Kunden zu verlieren“, sagt er.

In den USA werde der Transportservice der Google-Einheit unter der Marke Waymo starten. In Europa würde die Marke Waymo weniger dominant sein als ansässige Marken, ließ Krafcik durchblicken, „die bereits sehr stark in Europa sind“. Das klingt so, als würde sich Waymo bei Partnerschaften mit europäischen Autofirmen eher als Junior-Partner betrachten.

Im amerikanischen Markt stehe Waymo bereits mit „verschiedenen Fahrservices“ in Gesprächen, die Waymos Roboter-Autos in ihre Netzwerke integrieren wollen, erklärte Krafcik. Möglicherweise spielt der Waymo-Chef dabei auf Uber an.

Erst vergangene Woche erklärte Uber-Chef Dara Khosrowshahi bei einer Konferenz in Kalifornien, mit der Alphabet-Tochter über eine Zusammenarbeit zu reden. „Die Beziehung wird besser“, ließ er wissen. Waymos Fahrzeuge in Ubers Netzwerk zu integrieren, ergebe finanziell durchaus Sinn. „Es liegt an ihnen, ob sie es wollen oder nicht.“

Nähern sich Google und Uber an?

Die Annäherung zwischen Waymo und Uber erfolgt auf einen monatelangen erbitterten Gerichtstreit. Die Alphabet-Einheit beschuldigte den ehemaligen Uber-Entwickler Anthony Levandowski, bei Google Technologie für das Roboterauto gestohlen zu haben. Im Februar einigten sich beide Seiten vor einem Gericht in San Francisco. Waymo erhielt in dem Vergleich Anteile an Uber mit einem Gegenwert von 245 Millionen Dollar.

Uber steht derzeit ohne eine funktionierende Roboterflotte da. Nach einem tödlichen Unfall Mitte März in Tempe, Arizona, stoppte der Mobilitätsservice vorerst alle Testfahrten der autonomen Autos. Doch Uber will keinesfalls auf die Technologie verzichten. Uber-Gründer Travis Kalanick bezeichnete die selbstfahrenden Autos als „existentiell wichtig“ für sein Start-up. Nachfolger Khosrowshahi ließ wissen, es sei „existentiell” für Uber, wenn die Firma keinen Zugriff auf die Roboterautos erhalte.

Möglicherweise deutet sich nun eine Kooperation zwischen den ehemals verfeindeten Firmen an. „Aus der Perspektive von Uber macht eine Partnerschaft mit Waymo Sinn”, sagt Marktbeobachter Hines von Tech Insights. „Sie würde unterstreichen, dass sich das Unternehmen geändert hat.“ Allerdings hält sich Alphabet Alternativen offen. Der Suchmaschinenkonzern beteiligte sich vergangenes Jahr an einer 1,5 Milliarden Dollar hohen Investitionsrunde des Rivalen Lyft.

In der Branche gilt die Technologie der Alphabet-Tochter als führend. „Bei der Entwicklung von Roboterautos kommt es darauf an, wie lange ein Unternehmen die Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen getestet hat, erklärt Hines.

Waymo entwickelt das fahrerlose Auto bereits seit 2009 – länger als jeder andere Konzern. 9,6 Millionen Kilometer testete die Einheit die Fahrroboter bereits auf öffentlichen Straßen, acht Milliarden Kilometer im Simulator. In den Tests absolvierte es 20.000 verschiedene Fahrszenarios.

Grundsätzlich will Google die Techno in vier Geschäftsmodellen Geld mit seiner autonomen Technologie verdienen: mit fahrerloser Fahrgastservices, in der Logistik, in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Lizenzgeschäft. Ab 2019 will das Unternehmen mit dem britischen Autobauer Jaguar 20.000 Exemplare eines autonomen Jaguar I-Pace produzieren.

Apple testet selbstfahrende Technologie derzeit mit 62 Fahrzeugen des Typs Lexus RX450h von Toyota auf kalifornischen Straßen, hat jedoch einen Sicherheitsfahrer an Bord. Wie die „New York Times“ berichtete, setzt der iPhone-Hersteller zudem bei einem Modellprojekt auf dem Firmengelände Kleinbusse von Volkswagen ein.

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