Wechsel beim Luftfahrtriesen

Airbus-Konzernchef Enders geht 2019

Korruptionsvorwürfe und Personalspekulationen: Seit Monaten rumort es im europäischen Luftfahrtkonzern Airbus. Nun kommt es zum erwarteten Wechsel im Top-Management des Flugzeug-Riesen.
Update: 15.12.2017 - 08:43 Uhr 2 Kommentare
Airbus: Tom Enders hört 2019 als Konzernchef auf Quelle: dpa
Airbus-Chef Tom Enders

Der Airbus-Chef gibt seinen Job im Frühjahr 2019 ab.

(Foto: dpa)

ToulouseDer von Korruptionsermittlungen erschütterte Luftfahrtriese Airbus bereitet einen personellen Neuanfang vor. Der deutsche Konzernchef Tom Enders gibt seinen Job im Frühjahr 2019 ab. Der 58-Jährige strebe nach dem Ablauf seines Vertrags keine neue Amtszeit an, teilte Airbus am Freitag mit. Die Nummer zwei des Konzerns, der Franzose Fabrice Brégier, wird im Februar 2018 zurücktreten. „Für die 2020er-Jahre brauchen wir frische Kräfte“, sagte Enders. Die Ankündigung folgt auf wochenlange Spekulationen über Enders Zukunft und Machtkämpfe bei Airbus.

Brégiers Job als Chef des wichtigen Verkehrsflugzeug-Geschäfts übernimmt Guillaume Faury, bislang Chef der Helikopter-Sparte. Das habe der Verwaltungsrat am Donnerstag entschieden. „Guillaume Faury steht stellvertretend für unsere neue Führungsgeneration“, sagte Enders laut Mitteilung. „Er verfügt über große Erfahrung in unserer Branche und eine internationale Denke.“

Das sind die größten Luftfahrtkonzerne der Welt
Platz 10: Safran
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Der französische Konzern verbuchte 2016 einen Ertrag von 18,2 Milliarden Dollar (Vorjahr: 18,0 Milliarden). Safran ist nach Rolls-Royce Europas zweitgrößter Hersteller von Flugmotoren und Strahltriebwerken. In puncto Ertragswachstum lagen die europäischen Unternehmen mit 3,7 Prozent klar vor der US-Konkurrenz (2,4 Prozent) und setzten damit den Trend des Vorjahres fort.

(Quelle: Deloitte Global Aerospace & Defence Sector Financial Performance Study 2017)

Platz 9: Raytheon
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Der US-Hersteller produziert vor allem für das Militär. Der Rüstungskonzern erreichte 2016 einen Ertrag von 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,2 Milliarden ). Dank der leistungsstarken US-Rüstungsindustrie und einer hohen weltweiten Nachfrage wuchsen die Erträge im militärischen Sektor bei den US-Unternehmen insgesamt um 2,1 Prozent.

Platz 8: BAE Systems
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Der britische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern kletterte in der Rangliste vom neunten auf den achten Platz. 2016 betrug der Ertrag 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 22,8 Milliarden). In Europa legte der Ertrag im militärischen Sektor laut Studie um insgesamt 0,6 Prozent zu.

Platz 7: Northrop Grumman
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Der US-Hersteller von Rüstungstechnik für Luft- und Raumfahrt machte 2016 einen Ertrag von 24,5 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,5 Milliarden Dollar). Die Wachstumsrate der Gesamtbranche fiel von 3,8 Prozent im Jahr 2015 auf 2,4 Prozent im Jahr 2016. Sie war damit immer noch um 0,1 Prozentpunkte höher als das globale Wirtschaftswachstum.

Platz 6: GE Aviation
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Das Unternehmen gehört zur US-Konzern General Electric. Der Konzern erzielte 2016 einen Ertrag in Höhe von 26,3 Milliarden Dollar (Vorjahr: 24,7 Milliarden). GE Aviation stellt Flugzeugtriebwerke für den zivilen und den militärischen Gebrauch her. Insgesamt zeigte die Luftfahrtbranche 2016 bei einem Gesamtertrag von 674,4 Milliarden Dollar ein verlangsamtes Wachstum.

Platz 5: United Technologies
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Der US-Hersteller von Technologieprodukten hat seinen Hauptsitz in Connecticut. Neben Luft- und Raumfahrt ist der Konzern auch in den Bereichen Klimaanlagen, Aufzugsanlagen und Rolltreppen tätig. Der Ertrag im Luftfahrtbereich lag 2016 bei 28,9 Milliarden Dollar (Vorjahr: 27,8 Milliarden Dollar).

Platz 4: General Dynamics
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Der Konzern ist neben Boeing der größte Hersteller von Lenkflugkörpern in den USA. Der Konzern baut neben Raketen auch Hubschrauber sowie Panzer und fertigte 1954 mit der USS Nautilus das erste nuklearbetriebene U-Boot der Welt. Im vergangenen Jahr betrug der Ertrag 31,4 Milliarden Dollar (Vorjahr: 31,5 Milliarden).

Enders Mandat endet mit der Hauptversammlung im April 2019, er stand dann insgesamt 14 Jahre auf Spitzenpositionen bei Airbus. Der Verwaltungsrat werde im kommenden Jahr „interne und externe“ Kandidaten für die Nachfolge prüfen, hieß es. Der als „Major Tom“ bekannte frühere Fallschirmjäger sicherte zu, eine „reibungslose Übergabe“ zu gewährleisten. „Zudem gilt meine volle Konzentration unseren geschäftlichen Herausforderungen sowie dem Bestreben, unsere Ethik- und Compliance-Programme weiterzuentwickeln und zu stärken.“ Dabei geht es um das Einhalten von Regeln und Gesetzen im Unternehmen.

Derzeit halten Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern in Atem. Erschwerend hinzu kommen immer wieder technische Probleme, zuletzt bei Triebwerken von Mittelstreckenjets. Der Militärtransporter A400M bereitet seit Jahren immer neue Kopfschmerzen mit längst milliardenschweren Mehrkosten.

Schon vor einigen Wochen war in Medienberichten über Enders’ Ablösung spekuliert worden. Es hatte damals das Gerücht gegeben, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wolle einen Wechsel.

Dieser ist jetzt schnell entschieden worden, denn noch am Donnerstag dieser Woche hatte Aufsichtsratschef Denis Ranque im Interview mit der „Financial Times“ (FT) gesagt: „Es werden einige Änderungen notwendig sein, aber es ist noch viel zu früh zu sagen, wann, wie, und wen es betrifft.“

Airbus ist ein Politikum. Deutschland und Frankreich halten jeweils 11,1 Prozent der Anteile an dem Erzrivalen des US-Flugzeugbauers Boeing, Spanien weitere 4,2 Prozent. Der unter dem Spitznamen „Major Tom“ bekannte Enders steht seit 2012 an der Spitze des Konzerns, der damals noch EADS hieß. Zuvor war er von 2005 bis 2007 bereits EADS-Co-Chef und führte dann fünf Jahre lang die Verkehrsflugzeugtochter Airbus.

Der frühere Fallschirmjäger der Bundeswehr baute Airbus um, leitete die Umbenennung von EADS in Airbus ein und straffte die Führungsstrukturen. Dabei setzte er sich stets dafür ein, den Staatseinfluss zurückzufahren und den Luftfahrtriesen zu einem „normalen Unternehmen“ zu machen.

Anlass für die schon länger laufenden Korruptionsermittlungen war eine Selbstanzeige von Airbus. Enders selbst hatte seine Mitarbeiter daraufhin auf die Möglichkeit „erheblicher Strafen“ eingestimmt. Die britische Anti-Korruptionsbehörde geht seit vergangenem Jahr dem Verdacht auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte von Airbus nach. Auch die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft in Frankreich ermittelt. Zudem gibt es schon seit Jahren Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen an Österreich.

Airbus beschäftigt weltweit rund 134.000 Mitarbeiter, der Konzern machte 2016 einen Umsatz von rund 67 Milliarden Euro und 995 Millionen Euro Gewinn. Im zentralen Verkehrsflugzeug-Geschäft sitzt das Unternehmen auf einem dicken Auftragspolster.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Wechsel beim Luftfahrtriesen: Airbus-Konzernchef Enders geht 2019"

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  • Die Party ist langsam vorbei. Enders hat wichtige Bereiche nach Frankreich abgegeben und als Gegenleistung durfte er der oberste Boss sein. Es war auch klar, dass er nicht für immer da sein wird...

    Zudem verbrennt der Laden Geld, die Filetstücke sind schon verkauft oder werden noch... also wenn Major Tom dann wirklich geht oder kurz danach... wird dann irgendwann der große Schreck kommen. Aktien besser verkaufen...

  • ...genau So hat es Tom Enders bei der Schulung seines neuen Hobbys, dem " Drachenfliegen " ( intern) angekündigt ...also, alles nach Plan.

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