Wechsel im Kontrollgremium: Krupp krempelt Aufsichtsrat um

Wechsel im Kontrollgremium
Krupp krempelt Aufsichtsrat um

Nach dem Abgang von Chefkontrolleur Cromme verlässt ein weiterer Aufsichtsrat Thyssen-Krupp. Der Großaktionär des angeschlagenen Stahlkonzern, die Krupp-Stiftung, hat aber schon Nachfolger parat.
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EssenDie Personalrochade im Aufsichtsrat des angeschlagenen Stahlkonzerns Thyssen-Krupp geht weiter. Nachdem Chefkontrolleur Gerhard Cromme sein Amt niederlegte, verlässt nun auch Kersten von Schenck den Aufsichtsrat, teilte das Unternehmen mit. Der Großaktionär des Konzerns, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, entsendet Carsten Spohr und Lothar Steinebach in das Kontrollgremium. Steinebach war Henkel-Finanzchef, Spohr ist Vorstandsmitglied der Lufthansa.

Anders als ihre Vorgänger gehören der 46-jährige Spohr yund der 65-jährige Steinebach nicht dem Kuratorium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung an. Aktionärsschützer hatten die enge Verflechtung zwischen der vom 99-jährigen Berthold Beitz geführten Stiftung und dem Unternehmen immer wieder kritisiert.

Von Schenck habe ohne Angabe von Gründen um eine Entbindung von seinem Posten gebeten, erklärte die Stiftung. Er gehörte dem Aufsichtsrat seit 2004 an. Cromme war aus dem Amt gedrängt worden. Zu viele Skandale wegen illegaler Preisabsprachen und Fehlinvestitionen in große Werke in USA und Brasilien hatten die Geduld von Krupp-Patriarch Berthold Beitz strapaziert. Der 99-jährige Beitz ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats und Vorsitzender der Krupp-Stiftung, die mit einem Anteil von 25,3 Prozent der Thyssen-Krupp-Aktien über eine Sperrminorität und etliche Sonderrechte verfügt.

Sie gilt als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme, Kritiker sehen in ihr aber auch ein Bollwerk gegen eine Modernisierung des Mischkonzerns mit rund 150.000 Beschäftigten. Die Stiftung kann drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat entsenden, ohne dass die Hauptversammlung zustimmen muss. Neben Spohr und Steinebach hat die Stiftung ihr Vorstandsmitglied Ralf Nentwig entsandt.

Neuer Chefaufseher ist seit April der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner. Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns hatte Lehner auf einer außerordentlichen Sitzung zum Nachfolger von Cromme gewählt. Lehner gehört dem Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat bereits seit 2008 als Mitglied an. Andere Mandate, wie den Vorsitz des Telekom-Aufsichtsrates, legte er nieder. Lehner soll den aus den Fugen geratenen Traditionskonzern wieder zusammenschmieden. Der Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA hat dem Konzern Milliardenverluste eingebracht.

Bereits zum Jahresende war SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als Entsandter der Stiftung aus dem Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat ausgeschieden. Neu eingezogen war dafür das Vorstands-Mitglied der Krupp-Stiftung Ralf Nentwig.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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