Wechselkursänderungen für spürbare Folgen zu gering
Deutsche Industrie bleibt nach Yuan-Aufwertung gelassen

Die deutsche Industrie reagiert zurückhaltend auf die Währungsaufwertung in China. Weil die Aufwertung relativ gering ausfällt und der Handel hauptsächlich in Dollar bezahlt wird, erwarten die Unternehmen keine unmittelbaren Probleme. Kaum betroffen sind etwa die Chiphersteller. Denn am Spotmarkt für kurzfristige Lieferung schwanken die Preise oft innerhalb von Stunden stärker, als China seine Währung jetzt aufgewertet hat.

mwb/jojo/cs/gil MÜNCHEN. „Das hat keine großen Auswirkungen, weil die meisten Waren in Dollar fakturiert werden“, sagt auch eine Sprecherin des Sportartikelherstellers Adidas-Salomon. Zudem gebe es langfristige Verträge. Adidas produziert fast ausschließlich außerhalb Deutschlands und mit einem hohen Anteil in Asien und China. „Wir haben keine signifikante Auswirkung auf unsere Rohertragsmarge“, sagt auch der Sprecher des Konkurrenten Puma. Die Preise für die Kollektion 2006 seien festgeschrieben.

Die deutsche Textilindustrie sieht in der Aufwertung des Yuan kein Ende der chinesischen Übermacht auf dem Welttextilmarkt. „Wir gehen nicht davon aus, dass die chinesische Textilindustrie geschwächt wird“, sagte der Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Textil- und Modeindustrie, Michael Fischbach der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist mehr ein psychologisches Signal, um die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen am Laufen zu halten.“ China ist für Deutschland inzwischen die Nummer eins als Textil-Lieferant. Im Jahr 2004 exportierte das Reich der Mitte Textil und Bekleidung im Wert von 3,65 Mrd. Euro nach Deutschland. In China beträgt der Stundenlohn 50 Cent, in Deutschland 20 Euro.

Bei Deutschlands größtem Handelskonzern, der Düsseldorfer Metro AG, sieht man bislang keinen Grund, die Gewinnprognosen zu ändern. Zwar rechnet man mit etwas höheren Preisen beim Einkauf vor allem von Textilien. „Die Veränderungen bei den Wechselkursen sind aber nur marginal“, sagt ein Konzernsprecher. Zudem sei die Metro AG mit ihren Cash & Carry-Märkten in China auch als Verkäufer aktiv, so dass dort durch die Yuan-Aufwertung mit einem Ertragsplus zu rechnen sei.

Der Konjunkturexperte des Fachverbandes VDMA, Ralph Wiechers, erwartet durch die Aufwertung in China vor allem einen Preisvorteil für deutsche Anbieter. 2004 haben die deutschen Maschinenbauer für 7,8 Mrd. Euro Waren in China abgesetzt. China war für die deutsche Branche mit einem Anteil von acht Prozent der zweitgrößte Markt nach den USA. Die Chinesen sind für die deutschen Anbieter wegen der schwächeren Qualität noch kein direkter Konkurrent.

Der Konjunkturexperte des Branchenverbandes ZVEI, Ulrich Scheinost, hält für einen Gleichgewichtskurs eine zweistellige Aufwertung für nötig. „Dies ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Seit dem Jahr 2000 hat sich China zu einem bedeutenden Elektronik-Standort entwickelt. 2004 importierte China für 163 Mrd. Euro Elektroerzeugnisse, davon 54 Prozent Bauelemente. Exportiert hat das Land für 190 Mrd. Euro, vor allem Handys, Kameras und Computer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%