Wegen angeblichen Vertragsbruchs
Russische Regionen wollen bis zu 170 Milliarden von Total

Die russischen Regionen Wolgograd und Saratow fordern nach Informationen der Zeitung "Figaro" vom französischen Ölkonzern Total bis zu 170 Milliarden US-Dollar wegen Vertragsbruchs. Die Vorwürfe reichen in die Zeiten des Elf-Konzerns zurück, dessen Schmiergeldskandal nicht nur Frankreich erschüttert hatte.

tia/HB PARIS. Ein Untersuchungsrichter in Nanterre bei Paris habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, schreibt die Zeitung am Donnerstag. Die beiden russischen Regionen forderten jeweils 33 bis 85 Milliarden Dollar entgangene Erlöse. Denn der im Jahr 2003 in Total aufgegangene Ölkonzern Elf habe eine Vereinbarung zur Ausbeutung von Ölfeldern nicht eingehalten. Total -Chef Christophe de Margerie sagte auf einem Öl-Gipfel in Paris, der Vorgang sei ihm nicht bekannt.

Antreiber des Verfahrens soll der 88-jährige Vertragsvermittler André Guelfi sein. Er verlange drei Prozent der Summe, die er mit dem Russischen Olympischen Komitee teilen wolle. Der in Marokko geborene Geschäftsmann, der auch in die Elf-Leuna-Affäre verwickelt war, sei im Elf-Schmiergeldskandal zu drei Jahren Haft und 1,5 Millionen Euro Bußgeld verurteilt worden.

Dem Bericht zufolge hatten die Präsidenten François Mitterrand und Boris Jelzin 1992 ein Abkommen geschlossen, dass Elf den Zugang zu den Ölfeldern sicherte. Nach russischen Angaben sei 1993 vereinbart worden, dass Elf von 1994 an die Felder 50 Jahre lang ausbeuten könne und die beiden Regionen zusammen die Hälfte der Einnahmen erhielten.

Die Milliardensumme errechne sich aus den prognostizierten Fördermengen von 150 000 Barrel täglich und dem gestiegenen Ölpreis, der sich seit 1993 verfünffacht hat.

Doch 1993 wechselte im Zuge der Elf-Affäre die Konzernführung des Ölkonzerns. Der neue Chef Philippe Jaffré habe das Projekt fallengelassen. Die Kläger behaupteten unter Berufung auf Jaffré, die Verträge seien "einfach vernichtet" worden. Von Total verlautet, Verträge mit diesen Bedingungen hätte es nie gegeben. Jaffré ist 2007 gestorben und kann keine Auskunft mehr geben.

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