Wegen angeblicher Umweltverschmutzung
US-Behörden verklagen britischen Ölkonzern BP

Der britische Ölkonzern BP wird erneut von unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen und mangelnden Umweltschutzvorkehrungen eingeholt.

DÜSSELDORF. Nachdem sich der Konzern im November 2007 in einem Strafverfahren wegen diverser Vergehen schuldig bekannte und 20 Mio. Dollar zahlte, folgt nun eine Zivilklage. Wie die US-Regierung und der Bundesstaat Alaska mitteilten, haben die staatlichen Stellen eine Klage eingereicht, mit der "die maximalen per Gesetz erreichbaren Strafen" erzielt werden sollen. Wie hoch diese Strafe liegen kann, blieb offen.

BP wollte sich zu der Klage nicht äußern. "Wir haben signifikante Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass unsere Anlagen sicher und zuverlässig arbeiten", sagte ein Sprecher. Dazu gehöre der Bau eines 500 Mio. Dollar teuren Leitungssystems in Prudhoe Bay, dem größten Ölfeld der USA. In diesem Ölfeld kam es 2006 zum Austritt von rund 800 000 Litern Rohöl. Anfangs als kleineres Problem eingestuft, weitete sich der Unfall zu einer Blamage für den ganzen Konzern aus und legte nach Meinung von Ölexperten und Politikern eine massive Schlamperei offen.

Bei den Untersuchungen nach dem Ölaustritt stellte sich unter anderem heraus, dass die Rohre teilweise auf weniger als einen Zentimeter Dicke weggerostet waren und eine größere Naturkatastrophe unmittelbar bevorstand. Und je länger die Untersuchung dauerte, desto mehr Probleme traten ans Licht. So waren die Leitungen teilweise über Jahre hinweg nicht gewartet worden. Dabei hatten interne Berichte schon 2001 auf Rostprobleme hingewiesen. Als es zu dem Ölaustritt kam, musste BP die Anlage über Wochen hinweg stilllegen und kilometerweise Leitungen austauschen.

Obwohl BP nur 26 Prozent an dem Ölfeld hält, also weniger als die beiden US-Konzerne Exxon-Mobil und Conoco-Phillips, die je 36 Prozent besitzen, fiel die ganze Kritik auf die Briten, weil BP der Betreiber des Feldes war. Der Konzern wechselte Ende 2006 seinen Alaska-Chef Steve Marshall aus.

Der Fall ist hoch politisch, weil Alaska mit jedem Tag Produktionsausfall Millionen von Steuereinnahmen verlor und der Bundesstaat fast komplett vom Öl abhängig ist. Der Generalbundesanwalt von Alaska, David Marquez, sprach bereits 2006 von möglichen Strafen von 500 Mio. Dollar.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%