Wegen Betrugs
Daimler zeigt Betriebsrat an

Ein Betriebsratsmitglied bei Daimler soll während der Arbeitszeit seine Frau zur Arbeit gefahren haben. Das sah der Autobauer gar nicht gern, kündigte ihm fristlos und erstatte Anzeige. Nun geht der Fall vors Gericht.
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StuttgartDer Autobauer Daimler hat einen seiner Betriebsräte wegen Betrugs angezeigt. Das Unternehmen und die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bestätigten am Freitag einen entsprechenden Bericht der „Stuttgarter Zeitung“. Der Vorwurf: Der Betriebsrat im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim soll seine Frau während seiner Arbeitszeit zu ihrem Job gefahren haben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Frau des Mitarbeiters arbeitet nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa bei Daimler in Esslingen nahe Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

„Wir können einen gravierenden Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten nachweisen und die übliche und angemessene Reaktion ist wie in vergleichbaren Fällen die fristlose Kündigung“, teilte ein Daimler-Sprecher mit. Der Betroffene ist seit über 40 Jahren bei dem Autobauer beschäftigt. Noch in diesem Jahr sollte er sogar in den Aufsichtsrat des Unternehmens einziehen.

Das Stuttgarter Arbeitsgericht prüft derzeit, ob die Kündigung gerechtfertigt ist. Der Betriebsrat hatte dieser widersprochen. Nach einem erfolglosen Gütetermin im September werde beim nächsten Termin am 14. Dezember eine Entscheidung angestrebt, sagte eine Gerichtssprecherin.

Obwohl der Untertürkheimer Betriebsrat der Kündigung nicht zugestimmt hatte, missbilligte er das Verhaltens seines Mitglieds und legte ihm nahe, sein Mandat niederzulegen. „Das muss er aber letzten Endes für sich selbst entscheiden“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nieke. Es komme sehr selten vor, dass in einem Unternehmen dieser Größenordnung einem Betriebsrat gekündigt werde.

Dass Daimler Anzeige gestellt habe, sei aus Sicht des Unternehmens eine logische Konsequenz, um sich zusätzlich abzusichern. „So eine Kündigung nimmt ein Unternehmen nicht leichtfertig in Kauf.“ In drei Fällen sei bewiesen worden, dass der Mann seine Frau zur Arbeit gefahren habe, sagte Nieke. Daimler geht seinen Angaben zufolge aber noch von viel mehr Fällen aus, in der die Arbeitszeit dazu genutzt worden sei.

Der Betriebsrat sollte noch in diesem Jahr für ein Mitglied im Daimler-Aufsichtsrat nachrücken, das in Rente geht. Dies sei trotz der aktuellen Situation immer noch möglich. Der Mann sei immer noch entschlossen, Aufsichtsratsmitglied zu werden, und die Auseinandersetzung könne sich noch länger hinziehen, sagte Nieke.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Formalrechtlich mag diese Kündigung ja in Ordnung gehen, aber muss man unbedingt mit Kanonen auf Spatzen schießen? Mit solchen Negativschlagzeilen wird das Ansehen des Konzerns sicherlich nicht in die gewünschte Richtung befördert! Einem Unternehmen wie Daimler muss man die Gelassenheit zutrauen können, mit einem so lange im Betrieb Beschäftigten etwaige Probleme in aller Stille aus der Welt zu schaffen, dafür gibt es ja Beispiele. Das ist keine Frage des Rechts, sondern der Firmenkultur.

  • sorry,aber kann daimler ausschließen,daß auch familienangehörigen mal mit managerspapas auto durch die gegend gekurvt sind und managerpapa privatkram vom büro aus erledigt hat.

    liebes HB ,warum hamn die den rat aufm kieker

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