Wegen Blockbuster Betaferon
Bayer handelt sich Anlegerklage ein

Die Düsseldorfer Anlegerkanzlei Dreier Riedel Rechtsanwälte setzt den Pharma- und Chemiekonzern Bayer mit einer Klage unter Druck. Sie fühlen sich nicht genügend über das Blockbuster-Medikament von Schering, Betaferon, informiert und vermuten deshalb noch die Möglichkeit eines Nachschlages.

HB FRANKFURT. Weil der Vorstand auf der Hauptversammlung Ende April zur erwarteten Umsatzentwicklung beim Top-Medikament Betaferon nicht genügend Informationen gegeben habe, klage sie beim Kölner Landgericht auf Auskunftserteilung, teilte die Kanzlei am Freitag mit. Die Erwartungen für das Multiple-Sklerose-Mittel flossen maßgeblich in die Berechnung des Unternehmenswertes von Schering ein, nach dem sich die Abfindung für die Kleinaktionäre richtet.

Die Anwälte bezweifeln die Stichhaltigkeit der Berechnungen, die Schering-Kleinaktionäre seien womöglich zu kurz gekommen. Ein Bayer-Sprecher wollte die Klage nicht kommentieren.

Betaferon war durch die Übernahme von Schering zu Bayer gekommen. Das Patent des Medikaments läuft auf den wichtigsten europäischen Märkten 2008 aus, in den USA schon in diesem Jahr. Nach Ablauf des Schutzes müssen Hersteller der Originalpräparate mit Konkurrenz durch günstigere Nachahmermedikamente rechnen, was meist zu deutlichen Umsatzrückgängen bei den Arzneien führt.

In einem von Bayer in Auftrag gegebenen Bewertungsgutachten von KPMG im Zuge der Übernahme werde von 2009 an ein deutlicher Umsatzrückgang bei Betaferon unterstellt, erklärten die Anwälte. Auf Grund des biotechnologischen Herstellungsverfahrens müssten Generika-Firmen aber erst aufwendige klinische Studien auflegen. Ein Wettbewerb durch Medikamenten-Kopien sei daher bei Betaferon "erheblich eingeschränkt, wenn nicht sogar vernachlässigbar", argumentiert die Kanzlei. Dann wäre der Unternehmenswert von Schering ihrer Ansicht nach zu niedrig angesetzt. "Leider hat der Vorstand der Bayer AG die diesjährige Hauptversammlung nicht genutzt, um diesen milliardenschweren Planungsfehler in Bezug auf Betaferon aufzuklären und zu korrigieren", hieß es in der Mitteilung.

Das KPMG-Gutachten wurde zur Berechnung des Firmenwerts von Schering herangezogen und spielte bei der Abstimmung über den Beherrschungsvertrag zwischen Schering und Bayer im vergangenen Jahr eine Rolle. Auf dieser Grundlage wurden auch die Offerten für die Kleinaktionäre festgesetzt. Bayer bietet ihnen eine Zwangsabfindung von 98,98 Euro pro Aktie. Bayer hält inzwischen 96,3 Prozent an dem Berliner Arzneimittelhersteller.

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