Wegen großer Verluste
Eon Ruhrgas drängt Gazprom zu mehr Flexibilität

Eon Ruhrgas drängt darauf, die langfristigen Lieferverträge mit den mächtigen Gasproduzenten wie Gazprom weiter aufzuweichen. Wegen großer Verluste im Großhandel müssen laut Konzernchef Klaus Schäfer die Stellschrauben in den Verträgen neu justiert werden und die Preise an die Entwicklungen in den Märkten angepasst werden.
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ESSEN. "Es reicht nicht aus, dass wir alle zwei bis drei Jahre über den Preis reden, das muss pausenlos passieren", sagte Vorstandschef Klaus Schäfer am Dienstag bei einem Pressegespräch in Essen. Nach seinen Worten verhandelt Eon Ruhrgas zurzeit mit allen Lieferanten. Deutschlands größter Importeur bezieht das meiste Gas aus Norwegen und Russland. Vor allem die Verhandlungen mit der russischen Gazprom waren in der Vergangenheit schwierig. Schäfer wollte sich aber zum Stand und Details nicht äußern.

Jahrzehntelang war der europäische Gasmarkt von langfristigen Lieferverträgen geprägt, deren Preise an die Entwicklung des Ölmarktes gekoppelt wurden. Weil es zum Import per Pipeline keine Alternativen gab, war das auch im Sinne von Produzenten und Händlern.

Jetzt ist Eon Ruhrgas aber dringend auf eine Revision angewiesen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Marktverhältnisse auf dem europäischen Gasmarkt schließlich radikal geändert: Durch zusätzliche Mengen verflüssigtes Gas (LNG), das aus dem Nahen Osten angeliefert wird, gibt es ein Überangebot, das an den Spotmärkten zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten wird als das ölpreisgebundene Gas, das per Pipelines importiert wird. Während der Ölpreis derzeit um rund 40 Prozent niedriger notiert als Mitte 2008, wird Gas im Spotmarkt zu 70 Prozent niedrigeren Preisen gehandelt.

Eon Ruhrgas sitzt dadurch in der Klemme: Die Lieferanten können auf die alten Verträge pochen, die eigenen Kunden wollen aber nur die billigen Spotpreise bezahlen. Im vergangenen Jahr erreichte Schäfers Vorgänger Bernhard Reutersberg, der inzwischen im Konzernvorstand sitzt, bereits einige Zugeständnisse von Gazprom. So orientiert sich der Preis in einem Teil der Verträge inzwischen nicht mehr am Öl-, sondern am Spotpreis. Aber das reicht nach Schäfers Ausführungen noch nicht aus.

Für Eon Ruhrgas sind die Folgen dramatisch: Im kommenden Jahr droht im Großhandel ein Verlust von einer Milliarde Euro, wenn die Verhandlungen nicht erfolgreich sind. Dass Eon jetzt seine direkte Beteiligung an Gazprom verkauft, wie der Konzern in der vergangenen Woche mitteilte, stellt für Schäfer in der Geschäftsbeziehung aber kein Problem dar. "Gazprom ist und bleibt für uns ein wichtiger Partner", sagte er.

Das Überangebot auf dem europäischen Markt wird nach Schäfers Worten noch einige Jahre andauern. So kommt immer mehr LNG nach Europa. 2010 lag der Marktanteil schon bei zehn Prozent, 2020 sollen es mehr als 25 Prozent sein.

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  • Eigentlich müsste auch Gazprom ein interesse daran haben, sich mit flexibleren Preismechanismen seine langfristigen Lieferbeziehungen in einem gründlich veränderten Gasmarkt zu erhalten. Andererseits fällt es einem Gasproduzenten natürlich schwer, vertraglich vereinbarte hohe Preise freiwillig wieder abzusenken. Zumal nicht klar ist, wie lange die "Gasschwemme" anhält. Denn sie hängt vom boom der Schiefergas-Förderung ab, die zumindest in den USA mit hohen Umweltbelastungen verbunden ist. Wie lange und in welchem Umfang die Schiefergas-Förderer dieses Geschäft weiter betreiben oder sogar weltweit ausbauen können, muss sich noch zeigen.

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