Wegen Missmanagements
Conergy verklagt Altvorstand

Die Solarfirma Conergy fährt im Konflikt um einen Milliardenvertrag schwere Geschütze auf. Gegen den früheren Vorstand um Konzerngründer Hans-Martin Rüter sollen wegen unternehmerische Fehlentscheidungen Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden, wie die Gesellschaft am Dienstag mitteilte. Wegen des Missmanagements sei Conergy in eine existenzgefährdende Situation manövriert worden.

HANNOVER/HAMBURG. Dies habe eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben. Im Kern geht es um einen im Herbst 2007 mit der amerikanischen MEMC geschlossenen Liefervertrag mit einem Volumen von damals sieben bis acht Mrd. Dollar. Silizium war damals knapp und Rüter hatte in der bis zum Jahr 2018 laufende Vereinbarung einen aus heutiger Sicht viel zu hohen Preis vereinbart. Mit dem Abflauen des Solarbooms und der Inbetriebnahme neuer Fabriken hat sich Silizium erheblich verbilligt.

Der jetzige Vorstandschef Dieter Ammer versucht derzeit in Gesprächen mit MEMC den Vertrag aufzulösen oder zumindest neue Preise zu vereinbaren. Einige Analysten zeigte sich zwar skeptisch, allerdings kann ein Scheitern der Verhandlungen auch nicht im Interesse der Amerikaner sein, da die finanzielle Lage bei Conergy sich weiter zuspitzen würde.

Die angedrohte Klage würde sich auch gegen Nikolaus Krane richten, der am Dienstag seinen Rückzug aus dem Gremium erklärt hat. Krane war der einzig verbliebene Top-Manager aus der Zeit von Rüter. Conergy will den Angaben zufolge nun mit den Altvorständen Vergleichsgespräche aufnehmen. „Sollten diese scheitern, wird der Aufsichtsrat entsprechende Schadensersatzklagen erheben“, hieß es.

Der Altvorstand wiederum wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, nunmehr selbst rechtliche Schritte zu prüfen. Die Schieflage 2007 sei auf Ausfälle von Zulieferungen und verkürzte Zahlungsziele seitens der Lieferanten zurückzuführen, die aktuellen Verluste auf den Strategiewechsel des neuen Vorstands. „Die jetzigen Schritte der Gesellschaft wertet der Altvorstand als Ablenkungsmanöver“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Das Hamburger Unternehmen war Ende 2007 an den Rande der Pleite geraten, was auch zur Ablösung von Rüter geführt hatte. Nachfolger Ammer verschrieb Conergy, an der er beteiligt ist, einen harten Sanierungskurs. Viele Teile des zur stark expandierten Konzerns wurden verkauft oder dichtgemacht.

Unter anderem wegen der Kosten dafür und wegen unter Rüters Führung vorgefallener Bilanzierungsfehler summiert sich der Fehlbetrag in den vergangenen fünf Quartalen auf rund 500 Mio. Euro. Conergy kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von einer Mrd. Euro. Nach einem schwachen Jahresauftakt rechnet Ammer nun mit einem Umsatzrückgang im Gesamtjahr.

Sollte Conergy-Chef Ammer eine Einigung mit MEMC erzielen, dann würde dies Rentabilität der Firma deutlich steigern. Das Silizium soll in der neuen Fabrik in Frankfurt an der Oder verarbeitet werden, die bislang rote Zahlen schreibt. Versuche, einen Partner für das Werk zu finden, sind bislang ergebnislos verlaufen.

Conergy kommt eine wichtige Rolle für die Solarindustrie zu: Das Unternehmen ist der wichtigste Händler von Solarmodulen, gefragt sind dabei weniger die eigenen Produkte, sondern die anderer Solarfirmen. Die Befürchtung vieler Branchenvertreter ist, dass bei einer Pleite der Vertrieb weiter in Stocken geraten könnte. Solarworld-Chef Frank Asbeck dämpfte allerdings die Sorgen. „Es werden sich schnell alternative Absatzwege eröffnen", sagte er dem Handelsblatt. gil/mur/HB

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