Weichenstellung für LKW-Allianz
Piëch zementiert Macht bei MAN

Bei MAN wird es am heutigen Dienstag zu einer gründlichen Neugewichtung der Machtverhältnisse kommen. Nachdem VW seinen Stammaktien-Anteil am Maschinen- und LKW-Konzern auf 29,9 Prozent aufgestockt hat, wollen die Wolfsburger auf der Aufsichtsratssitzung weitreichende personelle und inhaltliche Interessen durchzusetzen.

STUTTGART/MÜNCHEN. MAN hatte in den vergangenen Monaten vergeblich versucht, seinen schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen. Volkswagen ist größter Einzelaktionär sowohl von Scania als auch von MAN und drängt auf eine gemeinsame LKW-Allianz aller drei Unternehmen.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich nach Brancheninformationen für den Vorstoß bei MAN schon vor Tagen der Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall versichert. In einem Spitzengespräch mit der Gewerkschaftsführung sollen die Positionen für die Zukunft der LKW-Allianz abgeklärt worden sein. Demnach hat die IG Metall eine Garantie für die Arbeitsplätze bei MAN und das deutsche Mitbestimmungsmodell erhalten. Im Gegenzug soll Piëch die Chance bekommen, als Aufsichtsratschef bei MAN zu kandidieren und mit zwei weiteren Vertrauten den Aufbau eines weltweit aktiven LKW-Konzerns voranzutreiben. Dieses Ziel verfolgt Piëch schon seit Jahren.

Erste personelle Konsequenzen der veränderten Machtverhältnisse bei MAN wurden bereits am Montag bekannt. Demnach wird der neue Audi-Chef und Piëch-Vertraute Rupert Stadler in den MAN-Aufsichtsrat einziehen. Industriekreise in München bestätigten am gestrigen Montag entsprechende Informationen der französischen Wirtschaftszeitung „La Tribune“, dem Partnerblatt des Handelsblatts. Dafür geht unter anderem Joachim Milberg, Chef des BMW-Aufsichtsrats. Als wahrscheinlich gilt auch, dass der ehemalige BASF-Manager Hanns-Helge Stechl den Aufsichtsrat verlassen wird. Ebenfalls sehr unwahrscheinlich ist eine erneute Kandidatur des ehemaligen Audi-Managers Herbert Demel, heute Vorstandschef des Zulieferers Magna Drivetrain.

Der Rückzug Milbergs und die mögliche Demission Demels belegen personell die neue Ära, die mit der heutigen Aufsichtsratssitzung bei MAN beginnt. Denn seit der Aufstockung seiner Anteile an MAN fordert VW drei Aufsichtsratsmandate. Dritter Kontrolleur auf dem VW-Ticket ist nach Information aus Aufsichtsratsrkeisen Stephan Schaller, Vorstandssprecher bei VW-Nutzfahrzeuge.

BMW-Manager Milberg hat keine Ambition, mit Piëch in einem Kontrollgremium zu sitzen. Das Haus BMW hält Distanz zum VW-Konzern und dessen Tochter und BMW-Konkurrenten Audi. Auch der ehemalige Audi- und Ex-Fiat-Chef Herbert Demel hat ein zumindest distanziertes Verhältnis zu Piëch. Piëch hatte Demel 1994 zum Audi-Chef gekürt und nach massiven Auseinandersetzungen 1997 nach Brasilien strafversetzt. Audi-Chef Stadler hingegen gilt als enger Vertrauter des VW-Oberkontrolleurs.

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