Weil gegen viele Banken ermittelt wird, kommt kein Gläubigerkomitee zusammen
Entschuldung von Parmalat stößt auf Probleme

Die Neuausrichtung und Sanierung des nach einem Bilanzskandal zusammengebrochenen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat stößt auf noch größere Schwierigkeiten als bislang angenommen. Dem Unternehmen nahestehende Kreise sagten dem Handelsblatt, dass erhebliche Probleme bei der Zusammenstellung des geplanten Gläubigerkomitees aufgetaucht seien.

MAILAND. Dieses Komitee soll in den nächsten Wochen mit dem Insolvenzverwalter Enrico Bondi über die finanzielle Restrukturierung – also zum Beispiel eine Umwandlung von Schuldverschreibungen in Aktien – verhandeln. Insgesamt hat Parmalat offene Verpflichtungen in Höhe von 14,5 Mrd. Euro.

Grund für die Schwierigkeiten ist, dass gegen so gut wie alle Hausbanken des Milchkonzerns mittlerweile staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Marktmanipulationen bzw. Beihilfe zum betrügerischen Bankrott eingeleitet wurden. Sollten die betroffenen Häuser an dem Komitee teilnehmen – was bislang vorgesehen war – so würden sie Zugang zu vertraulichen Dokumenten erhalten, die sie für ihre Verteidigung nutzen könnten. „Da liegt ein klarer Interessenkonflikt vor“, sagt ein Mitarbeiter Bondis.

Bislang hatte der von der Regierung berufene Insolvenzverwalter in Absprache mit dem Industrieminister geplant, mit zehn Vertretern der Gläubiger zu verhandeln: Vier internationale Banken, vier einheimische Institute und zwei Vertreter der Bondholder. Die italienische Seite sollten Banca Intesa, Unicredito, San Paolo IMI und Capitalia vertreten; die Gruppe der internationalen Institute sollte von der Citigroup angeführt werden. Außer im Falle des Unicredito sind alle anderen Häuser von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Mailand betroffen. Auch zwei Mitarbeiter der Deutschen Bank sind ins Visier der Ermittler geraten.

Auf den Einwand, welche Banken außer den juristisch belasteten Hausbanken das Komitee bilden könnten, antwortete der Mitarbeiter Bondis: „Das ist eine extrem gute Frage.“ Er stellte aber klar, dass das neue Insolvenzgesetz, das im Zuge des Parmalat-Skandals verabschiedet worden ist, nicht zwingend die Gründung eines Gläubigerkomitees vorsehe. Bondi könne eine Fortführung des Unternehmens auch ohne die Einbeziehung der Kreditgeber versuchen.

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