Wein wird Exportschlager
Deutsche Winzer auf der Überholspur

Deutscher Wein erfreut sich nicht nur in seinem Herkunftsland wachsender Beliebtheit. Zur Freude der Hersteller entwickelt er sich auch zum Exportschlager. Sorge bereitet den Winzern jedoch das Sterben des Fachhandels.

HB DÜSSELDORF/MAINZ. „Im Ausland sind unsere Produkte so gefragt wie seit der Mitte der 80er Jahre nicht mehr“, sagte Steffen Schindler vom Deutschen Weininstitut am Montagabend in Düsseldorf. Dort beginnt am kommenden Wochenende die Wein-Fachmesse Pro Wein 2006.

Innerhalb von vier Jahren sei es den deutschen Winzern gelungen, ihren Export in die USA zu verdoppeln. Insgesamt habe der Export im vergangenen Jahr um zehn Prozent zugelegt. „Aus der Marktforschung wissen wir, dass das Interesse an Wein bei den unter 35-Jährigen in der letzten Zeit deutlich gestiegen ist“, sagte Schindler weiter. In den USA und in Großbritannien werde sogar von der „Generation Riesling“ gesprochen. Diese Rebsorte sei eindeutig der Erfolgsgarant, doch auch der Dornfelder werde inzwischen erfolgreich exportiert.

Unter den weltgrößten Verbrauchermärkten für Wein steht der deutsche Weinmarkt an vierter Stelle. Im Jahr 2005 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 19,9 Litern, in etwa so hoch wie im Jahr zuvor. Damit müsse man zufrieden sein, denn: „In den klassischen Wein-Nationen wie Frankreich, Italien und Spanien ist der Konsum zuletzt dramatisch eingebrochen“, sagte Schindler.



Konkurrenz aus Südeuropa und Übersee

Trotz starker Konkurrenz aus Südeuropa und Übersee konnten die deutschen Winzer im vergangenen Jahr ihren Marktanteil auf dem heimischen Markt ausbauen: Der Anteil im Lebensmittel- und Weinhandel kletterte um 1,2 Prozentpunkte auf 37 Prozent aller verkauften Weine. Weitere wichtige Anbieter auf dem deutschen Weinmarkt seien Frankreich mit einem Marktanteil von 17 Prozent, Italien mit 16 Prozent sowie Spanien mit sieben Prozent gewesen. Überseeweine kamen 2005 auf einen Marktanteil in Deutschland von elf Prozent. 82 Prozent aller Weine tranken die Bundesbürger in den eigenen vier Wänden, die übrigen 18 Prozent in der Gastronomie.

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Nochmals um einen Prozentpunkt zulegen konnte der Rotweinkonsum in Deutschland. Wie das Weininstitut berichtete, stammten im vergangenen Jahr 56 Prozent aller verkauften Weine aus roten Rebsorten. Dabei gehe der Trend eindeutig weg von den schweren hin zu fruchtigeren Rotweinen. Weißweine kamen auf einen Marktanteil von nur noch 36 Prozent. Roséweine blieben stabil bei acht Prozent. Beliebteste Rotweinsorte in Deutschland ist der Dornfelder.

Nahezu 50 Prozent des Weins kommt vom Discounter

Mittlerweile wird den Angaben zufolge nicht einmal jede zehnte Flasche in einem Weingeschäft umgesetzt, nahezu 50 Prozent des Geschäfts machen die Discounter. Hier liegt auch die Erklärung für den gesunkenen Durchschnittspreis: Dieser beträgt heute 2,71 Euro pro Flasche und liegt damit 20 Cent unter dem Durchschnittspreis des Jahres 2000. Zum Vergleich: In den USA geht eine deutsche Weinflasche für durchschnittlich 3,82 Euro über die Theke.

Das Deutsche Weininstitut schätzt die Zahl der Winzer in Deutschland auf 16 000. Diese erhoffen sich einen Schub durch die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land: „Als einziges deutsches Konsumgut haben wir die Lizenz, unsere Produkte über die WM zu vermarkten“, sagte Schindler. Das Okay der FIFA ließ sich die Interessengemeinschaft der Winzer rund 750 000 Euro kosten.

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