Weinmarktreform
Winzer laufen Sturm gegen EU-Pläne

Subventionen kürzen, Rebstöcke abholzen, Kennzeichungspflichten lockern: Gegen die geplante Weinmarktreform protestieren auch Landespolitiker. Ihre Kritik haben Vertreter europäischer Weinbauländer und -regionen in einer gemeinsamen Resolution bekräftigt.

MAINZ. Das am Mittwochabend auf einem „Weingipfel“ in Mainz verabschiedete Papier fordert die EU-Kommission auf, ihren Entwurf für eine Weinmarktreform zu überarbeiten, weil er in dieser Form nicht akzeptiert werden könne.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) kritisierten in scharfer Form den EU-Vorschlag und das Vorgehen der Kommission.

Beck war sichtlich erregt, als er den Beginn der Verhandlungen über eine Reform des europäischen Weinrechts schilderte. Damals sei es „offen und fair“ zugegangen. Doch nun betreibe die EU-Kommission eine „Beton-Politik“.

Agrar-Kommissarin Mariann Fischer Boel ist angetreten, den europäischen Weinmarkt zu ordnen, Überschüsse abzubauen und Subventionen zu streichen. Doch die Methoden, mit denen sie die Reform bewältigen will, bringen vor allem die Winzer in den nördlichen Anbaugebieten gegen sie auf. Denn die Dänin bevorzugt nach Ansicht der betroffenen Weinbaugebiete eindeutig die mediterranen Länder, wo die Überschüsse entstehen. Die Lasten trage der ordentlich wirtschaftende Weinbau in den nördlichen Ländern Mitteleuropas.

Eines der Vorhaben trägt den Namen „Grüne Ernte“, Kritiker bezeichnen sie auch als „Nicht-Ernte“. Dabei sollen die Winzer ihre Trauben erst hochpäppeln und dann einfach abfallen lassen. Dafür erhalten sie dann eine Entschädigung aus der EU-Kasse.

Fischer Boel plant zudem eine gewaltige Rodungsaktion. 200 000 Hektar Reben, doppelt so viele wie die gesamte deutsche Rebfläche, sollen ausgehauen werden – ebenfalls mit Zuschüssen aus Brüssel. Vom Jahr 2013 an aber herrscht nach den Vorstellungen der Kommissarin totale Freiheit im europäischen Weinbau. Dann darf jeder Reben pflanzen, so viel und wo er will, auch wenn das Gelände noch so ungeeignet ist. Dies sei gegen alle Regeln der Logik, sagte Beck. Während die Südländer weiter mit Subventionen gehätschelt würden, müssten die mitteleuropäischen Winzer manche Grausamkeiten hinnehmen.

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