„Weißer Bereich“ der RAG
Lanxess wirbt forciert um Degussa

Ungeachtet aller Absagen aus Essen und Düsseldorf bekräftigt der Chemiekonzern Lanxess sein Interesse an einer Übernahme des größeren Spezialchemieherstellers Degussa. „Sollten Alternativen zum Börsengang der RAG gesucht werden, stehen wir bereit“, sagte Lanxess-Chef Axel Heitmann am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie in Frankfurt.

DÜSSELDORF. Lanxess wäre nach Aussage Heitmanns bereit, einen Kaufpreis für Degussa von vier bis sechs Mrd. Euro zu zahlen. „Das könnten wir über verschiedene Instrumente finanzieren.“ Einschließlich der Degussa-Schulden und Pensionsverpflichtungen würde sich ein Unternehmenswert von acht bis zehn Mrd. Euro ergeben. Eine Beteiligung von Partnern aus dem Bereich Private Equity sei nicht vorgesehen, betonte Heitmann.

Sowohl die RAG als auch die nordrhein-westfälische Landesregierung hatten in den letzten Tagen bekräftigt, am geplanten Börsengang des so genannten „weißen Bereichs“ der RAG festzuhalten. Dieser umfasst die RAG-Tochterfirmen Degussa und Steag sowie die RAG-Immobiliensparte. Der Erlöse aus dem Börsengang soll die Altlasten aus der Kohleförderung finanzieren.

Meinungsdifferenzen zwischen RAG-Chef Werner Müller und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers sowie ein Konflikt zwischen Müller und dem RAG-Großaktionär RWE haben in den vergangenen Wochen allerdings Spekulationen genährt, die Börsenpläne könnten doch noch gekippt und der RAG-Konzern in Einzelteilen verkauft werden. Die Chancen für Lanxess, bei Degussa zum Zuge zu kommen, würden sich damit nach Einschätzung von Branchenkennern deutlich verbessern.

Heitmann warb in Frankfurt um industriepolitische Unterstützung. Man könne aus der Kombination der beiden Unternehmen einen schlagkräftigen Konzern mit großer Gestaltungskraft formieren. „Es darf doch nicht sein, dass die Branche ausverkauft wird und die Geschichte der deutschen Chemieindustrie in einer Sackgasse endet“, sagte er.

Degussa ist mit einem Umsatz von zuletzt 10,9 Mrd. Euro um gut die Hälfte größer als Lanxess (Umsatz: 6,9 Mrd. Euro) und mit einem Betriebsgewinn von 880 Mill. Euro vor Sonderfaktoren auch profitabler als der Leverkusener Konkurrent (mit einem Ebit von knapp 380 Mill. Euro). Die von Heitmann genannte Preisspanne entspricht dem fünf- bis siebenfachen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), und bewegt sich damit auf dem Niveau der derzeit gängigen Chemiebewertungen.

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