Weitere Festnahme
Fall Parmalat hält Justiz weiter auf Trab

Im Parmalat-Skandal hat es am Montag Justizkreisen zufolge eine weitere Festnahme gegeben. Ein ehemaliger Parmalat-Finanzchef wird verdächtigt, an den kriminellen Geschäften des Lebensmittelkonzerns maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.

HB MAILAND/PARMA. Dabei handele es sich um den ehemaligen Chef der Bank Monte Parma, Franco Gorreri, wie aus den Kreisen am Montag verlautete. Gegen Gorreri, bis 1992 Finanzdirektor bei Parmalat, war bereits wegen des Verdachts auf betrügerischen Bankrott und falsche Unternehmensmitteilungen ermittelt worden. Der 51-Jährige war bereits letzte Woche als Chef von Monte Parma vorläufig zurückgetreten.

Im Zusammenhang mit der Affäre sitzen bereits zehn weitere Personen in Haft, darunter Firmengründer Calisto Tanzi, Ex-Finanzchef Fausto Tonna sowie ehemalige externe Wirtschaftsprüfer des Konzerns. Ein Antrag Tanzis, aus dem Mailänder Gefängnis San Vittore in den Hausarrest entlassen zu werden, wurde am Montag zurückgewiesen, wie aus Justizkreisen verlautete.

Die Ermittler in Parma und Mailand versuchen herauszufinden, wie es dem ehemaligen Top-Management gelang, womöglich über Jahre hinweg ein Bilanzloch zu verschleiern, das sich nach Schätzung der Staatsanwaltschaft auf mehr als zehn Mrd. € belaufen könnte und das Unternehmen in die Insolvenz getrieben hat. Tonna und der ebenfalls inhaftierte interne Buchprüfer Gianfranco Bocchi wurden Ermittlungskreisen zufolge am Montag in die Konzernzentrale in Collecchio bei Parma gebracht. Dort sollten sie den vom neuen Management beauftragten Wirtschaftsprüfern von PriceWaterhouseCoopers helfen, korrigierte Bilanzen des Konzerns zu erstellen.

Ermittelt wird Justizkreisen zufolge nun formell auch gegen zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, nachdem sich die Untersuchungen bislang nur auf vier einzelne Prüfer erstreckt hatten. Betroffen ist der italienische Ableger von Deloitte & Touche sowie der inzwischen von der Dachorganisation ausgeschlossene italienische Ableger von Grant Thornton, der sich jetzt Italaudit nennt. Von beiden Firmen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Skandal hatte eine Gesetzeslücke bei der Bilanzprüfung aufgedeckt. So kann sich die Haupt-Prüfgesellschaft der Verantwortung entziehen, wenn die Probleme bei einer Konzerntochter auftraten, die von ihr nicht geprüft wurden. Dies soll nach dem Willen der EU-Kommission künftig aber nicht mehr möglich sein. Demnach soll die Verantwortung für die Buchprüfung künftig unteilbar einer einzigen Firma übertragen werden, wie aus einem Reuters vorliegenden Kommissionsentwurf hervorgeht.

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