"Weitere Lohnsenkungen retten Standort Deutschland sicher nicht"
VW-Chef: Autokonzern hatte keine Krise

HB BERLIN. Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, Bernd Pischetsrieder, sieht in niedrigeren Löhnen kein Allheilmittel zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit Deutschlands. «In Bratislava zahlen wir heute ein Zehntel der deutschen Löhne. Das zeigt, dass durch weitere Lohnsenkungen der Standort Deutschland sicher nicht zu retten ist», sagte Pischetsrieder der «Welt am Sonntag».

Es gehe jetzt darum, die bestehenden Vorteile – zum Beispiel die Flexibilisierung – weiter zu nutzen, erläuterte Pischetsrieder. Ihm reichen die Ergebnisse des Jobgipfels von Regierung und Opposition am vergangenen Donnerstag noch nicht aus. Mit einer Senkung der Körperschaftssteuer sei es nicht getan: «Wenn ein Unternehmer lieber in Österreich als in Deutschland investiert, hat das mit der Höhe der Körperschaftssteuer nichts zu tun», sagte der VW-Chef.

Es liege vielmehr daran, dass er sich in Deutschland nicht wohl fühle. «Die permanente Diskussion darüber, was noch alles reformiert werden soll, hilft uns nicht. Das Wort Reform ist mittlerweile negativ belegt», sagte Pischetsrieder weiter. «Jeden Tag gibt es eine neue Kakophonie von jemandem, der sich wieder wichtig machen will.»

Pischetsrieder forderte für Deutschland einen «Reformschlag, der die Blockade löst, statt jeden Tag eine neue Idee, die nur zu zehn Prozent umgesetzt wird, aber hundert Prozent der Menschen verschreckt». Dabei plädierte der VW-Chef für eine enge Zusammenarbeit der großen Volksparteien.

Der Vorstandschef des Wolfsburger Autokonzerns bestritt zugleich, dass VW in der Krise steckte. «Eine Krise ist eine nicht erwartete und deshalb nicht beherrschbare Situation. Ein großer Teil der Entwicklung kam erwartet», erläuterte Pischetsrieder. Er sei davon überzeugt, dass das Sparprogramm des Konzerns greift «und es wieder aufwärts geht». «Weil die Konjunktur weiter schwächelt und der Euro sehr stark ist, wachsen die Bäume allerdings nicht in den Himmel», bremste der Manager einen allzu großen Optimismus.

Das US-Geschäft von Volkswagen im vergangenen Jahr nannte Pischetsrieder «eine Katastrophe». 2004 hatte VW dort eine Milliarde Euro verloren. Für eine Besserung der Lage setzt der Konzernchef auf die neuen Modelle in den USA sowie die Produktion des Jetta in Mexiko.

Für Westeuropa erwartet Pischetsrieder nicht, dass sich der Nachfragestau bei Neuwagen kurzfristig löst. Derzeit liege das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Wagen bei 94 Monaten, also knapp acht Jahren. «Das wird sich irgendwann ändern. Nur fragen Sie mich nicht, wann es soweit ist. Wir rechnen damit seit mehr als zwei Jahren.» Den Marktanteil für Billigautos wie den Fox hält Pischetsrieder für begrenzt: «Die Kunden haben schließlich Alternativen auf dem Gebrauchtwagenmarkt.»

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