Weitere Sanierungsschritte
Ford ist zu allem entschlossen

Ford geht es auf seinem Heimatmarkt schlecht; das Unternehmen schreibt rote Zahlen. Die Kunden kaufen lieber japanische als amerikanische Autos. Ein Sanierungsprogramm mit tausenden Stellenstreichungen ist bereits angestoßen. Das ist Ford aber offenbar nicht genug. Auch ein Verkauf von Töchtern wie Jaguar oder Volvo scheint nicht mehr ausgeschlossen.

HB NEW YORK. Eine angesetzte Prüfung könne Verkäufe oder Allianzen mit anderen Firmen nach sich ziehen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Die Untersuchung werde von Kenneth Leet geleitet, einem neu angeheuerten strategischen Berater. Er werde direkt an Ford-Chef Bill Ford berichten, schreibt die Zeitung. Ford werde die Ernennung Leets noch am Mittwoch bekannt geben. Leet leitete zuvor Fusions- und Übernahmeteams bei der Investmentbank Goldman Sachs und der Bank of Amerika.

Ford stehe angesichts steigender Verluste unter Druck des Verwaltungsrates und seiner Aktionäre, dramatischere Sanierungsschritte zu unternehmen, schreibt das „Wall Street Journal“. Der zweitgrößte US-Autobauer hatte im zweiten Quartal überraschend ein Minus von 123 Mill. Dollar (97,6 Mill Euro) eingefahren. Im zweiten Quartal 2005 hatte Ford noch 946 Mill. Dollar verdient. Der Quartalsumsatz fiel von 44,5 auf 42,0 Mrd. Dollar.

Fords Ertragsperle leidet

Ein kleines Team unter Führung von Leet habe begonnen, die Ford-Vermögenswerte und -Marken zu bewerten. Das Leet-Team werde erwägen, ob Ford einige schwache Marken verkaufen oder Allianzen mit anderen globalen Autoherstellern eingehen sollte. Außerdem solle geprüft werden, was mit Ford Credit zu geschehen habe, der Ford-Finanztochter. Deren Refinanzierungskosten sind in die Höhe geschossen, weil das Kreditrating des gesamten Konzerns auf ein „Schrott“-Niveau gefallen ist. Ford hatte zuvor jedoch versichert, es werde keine Beteiligung an der Ford Credit verkauft.

Die Finanztöchter sind trotz ihrer stark gestiegenen Geldbeschaffungskosten hohe Gewinnbringer bei Ford und dem ebenfalls schwächelnden Konkurrenten General Motors. GM ist dabei, eine 51-prozentige Beteiligung an seiner Finanztochter GMAC zu veräußern, um Geld in die Kasse zu holen. GM, Renault und Nissan überprüfen zur Zeit auch die Chancen für eine globale Allianz der drei Autokonzerne.

Volvo und Jaguar schwächeln

Die Luxuswagensparte Premier Automotive Group mit Volvo, Jaguar, Land Rover und Aston Martin schrieb im abgelaufenen Quartal einen Vorsteuerverlust von 162 Mill. Dollar gegenüber 17 Mill. Dollar Gewinn im zweiten Quartal 2005. Ford Credit lieferte nur noch einen Gewinn von 441 Mill. Dollar ab nach 740 Mill. Dollar im Vorjahreszeitraum.

Ford leidet in Nordamerika unter schwachen Absatzzahlen für seine großen Geländewagen und Pickups, die einstigen Gewinnbringer. Im Juli hatte das Unternehmen den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik an den japanischen Konkurrenten Toyota verloren.

Um dem Niedergang zu begegnen, hatte Ford bereits im Januar ein weit reichendes Restrukturierungsprogramm für die Region vorgelegt. Danach fallen 30 000 Stellen und 14 nordamerikanische Fabriken bis 2012 weg. Konzernchef Ford will in den kommenden zwei Monaten weitere Restrukturierungsschritte ankündigen.

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