Weitere Tochter insolvent
Reederei Beluga droht auf Grund zu laufen

Die Bremer Reederei Beluga hat immer weniger Wasser unter dem Kiel. Mittlerweile musste die achte Tochter des einstigen Weltmarktführers Insolvenz anmelden. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Konzern.
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Bremen

Die Bremer Reederei Beluga gerät immer stärker in Bedrängnis. Am Mittwoch stellte eine weitere Tochterfirma einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht - es ist inzwischen die achte. Nach Angaben eines Sprechers der Unternehmensgruppe handelt es sich bei der Beluga Travel Lounge GmbH um eine interne Reiseagentur, die fünf Mitarbeiter beschäftigt. Zeitgleich durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft die direkt an der Weser gelegene Firmenzentrale.

"Wir sind heute dagewesen", sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Ob die Beamten Unterlagen beschlagnahmt haben, konnte er nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den entmachteten Reederei-Chef Niels Stolberg unter anderem wegen schweren Betrugs.

Der US-Finanzinvestor Oaktree, der zurzeit die Geschäfte führt, hatte den Firmengründer und weitere führende Mitarbeiter angezeigt.

Sie sollen Umsätze im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Kapitalgeber getäuscht haben. Fahnder hatten in den vergangenen Wochen bereits Stolbergs Bremer Wohnung und dessen Anwesen auf der Nordseeinsel Spiekeroog durchsucht. Nach Angaben eines Beluga-Sprechers hatten die Ermittler ihr Kommen am Mittwochmorgen per E-Mail angekündigt. Daraufhin habe er die Mitarbeiter der Reederei informiert.

Nachdem die finanzielle Schieflage der Schwergutreederei, die einst Weltmarktführer war, bekannt wurde, hatten zahlreiche Schiffsfonds vergangene Woche ihre an Beluga vermieteten Frachter abgezogen. Das Kerngeschäft, die Beluga Chartering GmbH und deren Dachgesellschaft Beluga Shipping GmbH, mussten daraufhin Zahlungsunfähigkeit anmelden. Am Dienstag und Mittwoch folgten dann sechs weitere Unternehmensteile. Betroffen davon sind etwa 470 der knapp 600 Mitarbeiter.

Welche Folgen die Krise für die sieben Besatzungsmitglieder auf der von Piraten entführten "Beluga Nomination" haben wird, ist noch unklar. Das Schiff liege zurzeit im Hafen des somalischen Ortes Haradhere, sagte ein Beluga-Sprecher. "Wir haben regelmäßig Kontakt zum Schiff." Die Reederei verhandele weiterhin mit den Seeräubern, eine endgültige Lösegeldforderung gebe es bislang aber nicht. Sobald diese vorliegt, müsse der vorläufige Insolvenzverwalter über die Zahlung entscheiden. Nach Angaben des Beluga-Sprechers gibt es jedoch "Sondermöglichkeiten" in solchen Fällen.

Die Piraten hatten die "Beluga Nomination" Ende Januar im Indischen Ozean gekapert. Zwei Besatzungsmitglieder wurden nach einem missglückten Befreiungsversuch hingerichtet. Ein Mann ertrank, als er von Bord sprang.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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