Weitere Übernahmen erwartet
Druckbranche leidet unter Preisverfall

Europas Tiefdruckbranche leidet unter Überkapazitäten und sinkenden Preisen. Experten erwarten deshalb eine Fortsetzung der Marktbereinigung, von der vor allem die deutschen Unternehmen Prinovis und Schlott profitieren wollen.

NÜRNBERG. „Der Preisverfall geht weiter“, sagt Stephan Krauss, Vorstandschef des Tiefdruckkonzerns Prinovis, dem Handelsblatt. „Der Druck auf die Preise wird unserer Ansicht nach weiter anhalten.“ Das Gemeinschaftsunternehmen der Medienkonzerne Bertelsmann (Arvato/Gruner + Jahr) und Axel Springer kämpft wie seine Konkurrenten mit einem stagnierenden Markt. „Wir erwarten insgesamt eine stabile Nachfrage“, sagt Prinovis-Chef Krauss, ein Vertrauter des designierten Bertelsmann-Chefs Hartmut Ostrowski.

In der europäischen Tiefdruckbranche vollzieht sich angesichts von Überkapazitäten und sinkenden Preisen derzeit eine Marktbereinigung. „Die Konzentration im Tiefdruckmarkt wird sich fortsetzen“, ist sich Krauss sicher. „Es gibt in der Tiefdruckbranche europaweit Überkapazitäten von zehn bis 15 Prozent.“

Von der laufenden Marktbereinigung wollen Prinovis und der Freudenstädter Konkurrent Schlott profitieren. Im vergangenen November hatte Schlott den zweitgrößten niederländischen Tiefdrucker Biegelaar übernommen. Schlott ist seit über zehn Jahren einer der Treiber der Konzentration in der Branche. „Die Konsolidierung soll im Idealfall dazu führen, dass die Unternehmen wettbewerbsfähiger werden“, sagt James Siever, Generalsekretär des Branchenverbandes European Rotogravure Association (ERA).

Brancheninsider sind sich sicher, dass die beiden Tiefdruckkonzerne Quebecor und Polestar weiter unter Druck kommen. Zudem werden weitere Übernahmen bei den Zeitschriften- und Katalogdruckern erwartet. „Wir schauen uns genau an, was bei Unternehmen wie Polestar passiert“, sagte zuletzt Schlott-Vorstandschef Bernd Rose. Polestar ist vor allem im britischen Markt präsent. Dort wird der Konzern von Prinovis angegriffen. Ende Juli ist die neue Tiefdruckerei der Deutschen in Liverpool angelaufen. „In Liverpool werden wir bis 2009 volle Kapazität erreichen, die dann zu 60 Prozent von einem Großkunden ausgelastet wird“, sagt Krauss. Prinovis hat einen mehrjährigen Großauftrag des Printunternehmen News International, das zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört, in der Tasche. „Für Prinovis ist es einfacher, Druckkapazitäten dazuzukaufen, als neue Druckereien aufzubauen“, sagt Krauss, der einst Vorstandsassistent des heutigen Bertelsmann-Chefs Gunter Thielen war. Er hat insbesondere ein Auge auf den französischen Markt geworfen. „Wir wollen in Frankreich expandieren, wenn sich eine Gelegenheit ergibt“, sagt er. Derzeit gibt es Spekulationen, dass sich der kanadische Tiefdruckkonzern Quebecor von seinen europäischen Geschäft mit Schwerpunkt Frankreich trennen könnte.

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