Weitere Übernahmeschlacht
Kampf um Rohstoffe spitzt sich zu

Das Übernahmedrama zwischen BHP Billiton und Rio Tinto beherrscht derzeit die Schlagzeilen; in eisenerzreichen australischen Region Pilbara, wo die beiden Weltkonzerne den Rohstoffabbau dominieren, spielt sich derzeit aber noch ein anderer Konflikt ab, der in seiner Intensität dem der beiden Giganten um nichts nachsteht: der Kampf um den Manganhersteller Consolidated Minerals.

PERTH. Die Aktien des westaustralischen Unternehmens legten in der vergangenen Woche stark zu, nachdem klar geworden war, dass sich zwei Bewerber einen wohl länger anhaltenden Kampf um die Kontrolle des Unternehmens liefern werden. Palmary, eine Anlage-Firma des ukrainischen Multimilliardärs Gennadi Bogoljubow, hatte ein Barangebot von 4,70 austr. Dollar pro Aktie auf den Tisch gelegt. Bogoljubow rief die Aktionäre von Consolidated Minerals auf, nicht auf weitere Entwicklungen zu warten.

Damit erklärte er einem aggressiven Mitbewerber den Krieg. Die Privatanlagefirma Pallinghurst hatte im Februar 4,50 austr. Dollar pro Papier geboten. Pallinghurst wird vom ehemaligen Chef von BHP Billiton, Brian Gilbertson, kontrolliert. Gilbertson hatte 2001 die australische Broken Hill Proprietary und die südafrikanische Billiton zum heute größten Rohstoffkonzern der Welt verschmolzen. Der Südafrikaner, der bekannt ist für seinen aggressiven Stil, reagierte sofort auf die Ankündigung aus der Ukraine: Pallinghurst behalte sich das Recht vor, das eigene Angebot zu erhöhen. Damit löste Gilbertson an der australischen Börse einen Ansturm auf die Aktie aus.

Consolidated Minerals ist einen Kampf wert. Das Unternehmen kontrolliert eine der reichsten und qualitativ hochwertigsten Lagerstätten von Manganerz auf der Welt – in einer ausgesprochen lebensfeindlichen Region in Westaustralien. In der Wüste dort steigen die Temperaturen im Sommer auf 50 Grad; Wassermangel und die giftigsten Schlangen des Planeten machen das Leben zur Qual. Trotzdem kämpfen dutzende mächtige Interessenten um die Kontrolle über den felsigen Boden. Consolidated Minerals betreibt hier die Woody-Woody-Mine, hat das Pachtrecht über 7 500 Quadratkilometer Land, von denen der Konzern gerade 75 Quadratkilometer exploriert hat. Das Potenzial scheint gigantisch. Rund 300 Beschäftige arbeiten in der Tagebauanlage.

Mangan ist ein gesuchter Rohstoff. Der schwarze Stein wird zu 90 Prozent zur Härtung von Stahl verwendet. Daneben gibt es noch andere industrielle Verwendungen, etwa in Batterien. Das Produkt, das Consolidated Minerals in Woody Woody aus dem Boden holt, ist von den Stahlherstellern wegen des niedrigen Gehalts an Fremdstoffen wie Eisen und Phosphor besonders gesucht. Sie mischen es mit Mangan von schlechterer Qualität.

Consolidated Minerals hat im vergangenen Jahr 900 000 Tonnen Manganerz abgebaut und beliefert heute zehn Prozent des Weltmarktes. Die Hauptabnehmer sind China, Osteuropa und Indien. Mit verschiedenen Kunden hat Consolidated Minerals Langzeitverträge. Die Preise, die wie die für Eisenerz in den vergangenen Jahren drastisch zugelegt haben, werden vierteljährlich der stetig steigenden Nachfrage angepasst. Im abgelaufenen Finanzjahr meldete der australische Konzern einen Gewinn von 31,1 Mill. austr. Dollar und einen Umsatz von 274,6 Mill. Dollar.

Angesicht des riesigen potenziellen Abbaugebietes in Woody Woody und der Aussicht auf die Kontrolle eines zunehmend attraktiver werdenden Nischenmarktes ist das Interesse der beiden Bieterunternehmen verständlich. Mangan ist ein Produkt, das im anhaltenden Rohstoffboom genauso gebraucht wird wie Eisenerz. Zudem kontrolliert Consolidated Minerals in anderen Gebieten Westaustraliens noch substanzielle Reserven an anderen Mineralien, die in der Stahlherstellung verwendet werden.

Die australische Börse hat die Attraktivität von Consolidated Minerals schon vor längerer Zeit erkannt. Seit dem Eingang der Pallinghurst-Offerte hat sich der Wert der Aktie verdoppelt. Verschiedenen Beobachtern zufolge hat der Kampf um Consolidated Minerals eben erst begonnen.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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