Weitere Veränderungen
Siemens kommt nicht zur Ruhe

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wird seinen groß angelegten Konzernumbau auch nach der Trennung vom Kommunikationsgeschäft fortsetzen. Der Manager sagte am gestrigen Dienstag in Berlin, das Technologieunternehmen werde auch künftig Teile abstoßen, wenn dies erforderlich sei.

BERLIN. „Siemens hat sich schon immer gefragt, ob es Felder gibt, in denen wir es nicht schaffen,“ sagte Kleinfeld. Gleichzeitig wolle Siemens strategisch wichtige Bereiche durch Zukäufe stärken. Kleinfeld hat erst vergangene Woche angekündigt, den größten Teil seiner Kommunikationssparte (Com) in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem finnischen Handykonzern Nokia einzubringen. Damit trennt sich Siemens von seinem bislang größten Bereich. Die Sparte war zuletzt allerdings weit von den internen Renditezielen entfernt.

Die Zeit drängt, denn bis zum kommenden Frühjahr müssen alle Siemens-Bereiche Margen erzielen, die sich an den besten Wettbewerbern der jeweiligen Branche orientieren. Nur die Hälfte aller Sparten ist so weit. Beobachter gehen davon aus, dass Kleinfeld die Renditeziele nur erreicht, wenn Siemens neben Com weitere Teile abstößt. Vor allem der IT-Dienstleister SBS gilt als Verkaufskandidat. SBS schreibt tief rote Zahlen und Analysten bezweifeln, dass die Sparte 2007 den erwarteten Gewinn einfährt. Auch die Verkehrstechnik ist noch weit von ihren Zielen entfernt.

Kleinfeld richtet Siemens neu aus. Künftig soll sich der Konzern auf drei ausgewählte Felder konzentrieren: Energie und Umwelt, Automatisierung und Infrastruktur sowie Gesundheit. Hier sieht Kleinfeld weltweit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die größten Wachstumschancen. In diesen Bereichen steht er allerdings auch in erbittertem Wettbewerb mit großen Infrastrukturanbietern wie General Electric, die Milliarden für Akquisitionen ausgeben. „Um mithalten zu können, brauchen wir finanzielle Spielräume,“ sagte Kleinfeld. Die seien nur zu bekommen, wenn alle Sparten ihre Ziele erreichen.

Ein Beispiel für einen Bereich, den Kleinfeld für langfristig strategisch wichtig hält, ist das Kraftwerksgeschäft. Die Turbinenbauer von Siemens profitieren davon, dass die Welt immer mehr Strom verbraucht. Schon in den vergangenen sechs Jahren hat sich der Umsatz der Sparte Energieerzeugung auf rund elf Mrd. Euro fast verdoppelt. Analysten rechnen damit, dass gerade das für Siemens wichtige Geschäft mit Gasturbinen weiter zulegen wird. „Grund dafür ist einerseits der zunehmende Ruf nach effizienter Energiegewinnung, zum anderen die Deregulierung des Energiemarktes und der Einstieg Mittel- und Osteuropas in den Emissionshandel“, schreiben Experten von Frost & Sullivan.

Analysten loben die Konzentration auf einzelne Wachstumsfelder, die mit der Trennung von Com ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Sie rechnen dadurch mit einem kräftigen Gewinnwachstum in den nächsten zwei Jahren. Gegenwind kommt dagegen von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern. Die IG Metall kritisiert, dass die Kommunikation ein wichtiger Zukunftsmarkt sei, den Siemens nicht aufgeben solle. Den Gewerkschaftern zufolge ist es ein „schwerer Fehler, dass sich die Unternehmensleitung mit ihrem unnötig starren Zeitplan für die Margenziele in Zugzwang gebracht hat.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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