Weitere Verzögerung
Areva hat Ärger in Finnland

Das deutsch-französische Konsortium aus Areva und Siemens hat beim Bau des neuen Kernkraftwerks „Olkiluoto 3“ an der finnischen Westküste die Sicherheitsanforderungen der finnischen Atomaufsicht unterschätzt. Diese führen nach Angaben von Areva zu erneuten Verzögerungen der Bauarbeiten, so dass das Konsortium am Freitag die Fertigstellung des Atom-Kraftwerks ein viertes Mal verschoben hat.

PARIS. Laut Areva soll der Meiler nun erst im Jahr 2011 in Betrieb gehen. Der alte, bereits mehrmals verschobene Zeitplan sah den Betriebsstart Ende 2010 vor. Ursprünglich sollte das Kernkraftwerk Mitte 2009 dem finnischen Stromproduzenten Teollisuuden Voima Oy (TVO) übergeben werden.

Die erneute Verzögerung wird zum einen wirtschaftliche Konsequenzen haben. Aus Marktkreisen heißt es, für die Verzögerungen müsse Areva Rückstellungen von 700 Mill. Euro bilden. Areva wollte dazu keine Angaben machen. Darüber hinaus hat das Desaster beim Bau des Meilers Imagefolgen. Denn der finnische Reaktor ist der erste, der seit der Tchernobyl-Katastrophe in Europa gebaut wird. Die Finnen sind zudem die ersten Kunden, die den neuen Reaktortyp EPR (European Pressurized Reactor) bestellt haben. Dieses Kraftwerk der so genannten dritten Generation will Areva auch in China, Indien und die USA verkaufen.

Areva erklärt die permanenten Verzögerungen mit den Auflagen der finnischen Aufsichtsbehörde, Stuk. Die Stuk würde einzelne Bauabschnitte abnehmen; in Frankreich dagegen überprüfe die Atomaufsicht zu Beginn des Projekts die Planungen und am Ende das fertige Kraftwerk. „Areva hat möglicherweise nicht vollständig antizipiert, welche Folgen diese Einschränkung mit sich bringt“, erklärte ein Konzernsprecher auf Anfrage.

Die Begründung überrascht die finnische TVO: „Die Sicherheitsanforderungen haben sich in Finnland seit Jahren nicht geändert“, erklärte Martin Landtman, Projektmanager bei TVO für den Bau des neuen Atomkraftwerkes, gegenüber dem Handelsblatt. „Wenn unser Anbieter darüber nicht vollständige Kenntnis haben sollte, wäre dies eine Überraschung.“

Der französische Atom-Konzern erklärte, dass nach der erneuten Verzögerung die Gesamt-Bauzeit nun sechs Jahre beträgt. „Dies entspricht dem Durchschnitt weltweit für den Bau eines Atomkraftwerkes der zweiten Generation“, heißt es bei Areva. Im Klartext: Den Zeitplan, den Areva und Siemens für den Bau des neuen Reaktorytp akzeptiert haben, war sehr ambitioniert. „Wir haben es vorgezogen, diese Einschränkung zu akzeptieren, bevor ein Konkurrent den Auftrag bekommt“, räumt ein Areva-Sprecher ein.

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