Weiteres Wachstum
„Wir wollen keine Subventionen“

Der europäische Marktführer für Hausgeräte ist vergangenes Jahr kräftig gewachsen: Der Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) ist 2007 um sechs Prozent auf 8,8 Mrd. Euro gestiegen. Kurt-Ludwig Gutberlet, Vorsitzender der Geschäftsführung, spricht im Handelbsblatt-Interview über die Entwicklung und Zukunft des Unternehmens.

Handelsblatt: Herr Gutberlet, gerade wird die letzte Handy-Fertigung in Deutschland abgewickelt. Wie lange wird Bosch Siemens noch Hausgeräte, Kühlschränke und Waschmaschinen hierzulande produzieren?

Kurt-Ludwig Gutberlet: Ich hoffe, dass uns das noch lange gelingen wird. Wir beschäftigen heute 14 000 Menschen in unseren Werken im Inland. Das sind etwa so viele wie zur Gründung des Unternehmens vor 40 Jahren. Es ist nicht geplant, daran etwas zu ändern.

Warum lässt sich in Deutschland noch die so genannte weiße Ware fertigen, aber keine Handys und Stereoanlagen mehr?

Das hat ganz verschiedene Gründe. Ein Faktor sind sicherlich die Transportkosten. Sie können Waschmaschinen und Kühlschränke nicht um die halbe Welt befördern, das lohnt sich einfach nicht. In einem Kühlschrank fahren sie viel zu viel Luft über die Ozeane. Dazu kommt, dass unsere Produkte von Land zu Land ganz unterschiedlich sind. In der Unterhaltungselektronik oder bei Handys dagegen haben sie weltweit die gleichen Geräte.

Das müssen Sie näher erläutern: Ein Kühlschrank in China muss doch auch nur die Lebensmittel kalt halten, oder etwa nicht?

Stimmt, aber damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft. In Japan beispielsweise brauchen Sie ein halbes Dutzend getrennter Fächer für die verschiedenen Speisen. In der Türkei wiederum muss der Kühlschrank so groß sein, dass auch eine Melone hineinpasst. Und amerikanische Waschmaschinen werden von oben beladen, dafür müssen die Geräte doppelt so groß sein. Japanische Geschirrspülmaschinen sind wiederum so winzig, das sie in Deutschland unverkäuflich wären. Die Märkte sind eben regional, deshalb produzieren wir vor Ort.

Den deutschen Markt könnten Sie aber trotzdem aus nahe gelegenen Billiglohnländern im Osten beliefern.

Das tun wir auch teilweise. In den deutschen Fabriken bauen wir ja nicht die allergünstigsten Produkte. Vielmehr sind die Werke hoch spezialisiert, zum Beispiel auf Herde und Geschirrspülmaschinen für Einbauküchen. Da gibt es enorm viele Varianten sehr hochwertiger Geräte, dazu brauchen sie viel Know-how. Einbaugeräte sind ein echter Exportschlager, wir statten ganze Wolkenkratzer in Asien aus. Dort verkaufen wir Kaffeeautomaten für 1 000 Euro. Dafür haben Sie früher eine ganze Küche bekommen. Bei diesen teuren Geräten ist auch der lange Transport rentabel.

Das Geschäft mit Geräten für Einbauküchen hängt stark davon ab, wie viel gebaut wird. Trifft Sie die Immobilienkrise in Amerika?

Der Markt für weiße Ware in den USA ist seit Frühjahr 2007 auf Monatsbasis jeweils um rund zehn Prozent eingebrochen. Das ist die direkte Folge davon, dass weniger gebaut wird. Wir sind dennoch gewachsen, weil wir in Amerika noch einen geringen Marktanteil haben.

Auch in Deutschland entstehen immer weniger neue Häuser und Wohnungen. Das trifft Sie hart, weil Sie hier sehr stark sind.

Deutschland ist für uns der wichtigste Markt, jeden fünften Euro erwirtschaften wir hier, unser Marktanteil liegt bei 40 Prozent. Dieses Jahr wird der Markt in Deutschland bestenfalls stagnieren. Gerade das Geschäft mit Einbaugeräten wird schwierig, wir rechnen für 2008 mit weniger als 200 000 neuen Wohnungen in Deutschland. Zum Vergleich: 1990 waren es noch 600 000 Wohnungen.

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