Welche Branchen leiden und welche profitieren
Ölpreis quält vor allem die Schwachen

Die teure Energie stellt Unternehmer auf die Probe. Einige Branchen können die Preise weitergeben und prosperieren, andere müssen ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Ob Fluggesellschaften, Chemieindustrie, Anleger oder Logistikbranche: Gewinner und Verlierer im Überblick.

Fluggesellschaften geraten in heftige Turbulenzen

Von Tanja Kewes

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Ölpreis durchbricht die Rekordmarken – und holt die Fluggesellschaften nicht nur sprichwörtlich aus luftigen Höhen auf den Boden. „Es zieht ein perfekter Sturm auf – aus explodierenden Kosten durch den hohen Ölpreis und tendenziell sinkender Nachfrage durch die abkühlende Konjunktur. Der Sturm wird alle Airlines erfassen“, warnt Giovanni Bisignani, Chef des Weltluftfahrtverbands IATA.

Am stärksten betroffen sind die US-Airlines, da sie die Mehrkosten nicht wie die Europäer durch den starken Euro kompensieren können und darüber hinaus ältere und damit verbrauchsintensive Maschinen fliegen. Die meisten von ihnen sind zudem gerade erst dem Konkursverfahren Chapter 11 entkommen und haben eine dünne finanzielle Basis. Nach American Airlines, United Airlines, Delta und Continental kündigte gestern auch Air Canada an, Maschinen in den Hangar zu stellen, Flüge zu streichen und Tausende von Arbeitsplätzen abzubauen.

In der Luftfahrtbranche schrillen die Alarmglocken. Der Weltluftfahrtverband IATA erwartet für das laufende Jahr wieder rote Zahlen. Erst im vergangenen Jahr hatte die Luftfahrtbranche die Krise in Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 überwunden und erstmals wieder in ihrer Gesamtheit Gewinn geschrieben. Die Branche ist aufgrund hoher Fixkosten und strikter politischer Regulierung stark konjunkturabhängig und krisenanfällig. Die über 1 000 Fluggesellschaften weltweit erreichten in den vergangenen 60 Jahren nur eine durchschnittliche Umsatzrendite von 0,3 Prozent. Der 37 Fluglinien abbildende World Airlines Index von Bloomberg hat seit Jahresbeginn 35 Prozent verloren.

In Europa trifft der Rekordölpreis die Billigflieger am stärksten. Bei ihren schlanken und schnellen Strukturen ist Treibstoff mit einem Anteil von 40 Prozent der größte Kostenblock. Zum Vergleich: Bei etablierten Linienfluggesellschaften sind es nur rund 20 bis 25 Prozent. Auch die Fokussierung auf Europa ist für Ryanair und Easyjet von Nachteil, da die Region die geringsten Wachstumsraten zeigt. „Die europäischen Billigfluglinien sind nicht wie die Etablierten in den Boomregionen Asien sowie Naher und Mittler Osten vertreten“, sagt Brian Pearce, Chefökonom des Weltluftfahrtverbands. Zudem hätten sie neben dem Passagiergeschäft kein weiteres Standbein wie Fracht oder Technik.

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