So wird der Automobilhersteller Daimler 2008 seinen Nettogewinn nach Daten von Factset um die Hälfte steigern, der Pharmaspezialist Merck immerhin um 20 Prozent, und bei Tui dürfte das Plus mit 75 Prozent am größten ausfallen. Der Touristikkonzern profitiert allerdings von einer niedrigen Ausgangsbasis und etlichen Sondereffekten, weil sich beispielsweise Abschreibungen aus dem Vorjahr nicht wiederholen.
Abgesehen von der Finanzbranche, dem Autohersteller BMW, der Deutschen Lufthansa und dem Stahlproduzenten Thyssen-Krupp zeichnen sich derzeit mit Blick auf das Gesamtjahr bei allen übrigen Dax-Konzernen höhere Nettogewinne ab als 2007. Für fünf Unternehmen hoben die Analysten ihre Erwartungen seit Jahresanfang sogar an: am stärksten für den Lastwagenhersteller MAN. Rechneten die Analysten im Januar noch mit einem Gewinn von 1,3 Mrd. Euro, so liegt der Konsens jetzt bei 1,43 Mrd. Euro. Das wären 18 Prozent mehr als im starken Vorjahr.
Der Grund: MAN lässt die Wirtschaftsschwäche weitgehend kalt. In den USA machen die Münchener so gut wie keine Geschäfte. Zwar macht sich Konzernchef Håkan Samuelsson keine Illusionen darüber, dass eine von der Immobilien- und Finanzkrise ausgelöste Konsumschwäche auch Westeuropa nachhaltig trifft. Doch das starke Wachstum in Osteuropa, Fernost und den reichen Ölländern, die ihre Petrodollars in Maschinen investieren, kompensiert die Schwäche in den etablierten Industrienationen. Hinzu kommt, dass MAN durch einen höheren Anteil von Leiharbeitnehmern und flexibleren Arbeitszeiten mit Blick auf schwächere Zeiten beweglicher geworden ist. Die einst traditionell niedrige Umsatzrendite, die im Boomjahr 2000 ganze zwei Prozent erreichte, lag zuletzt bei 7,9 Prozent.
Noch stärkere Gewinnzuwächse winken Daimler. Das mag auf den ersten Blick überraschen, müssen doch fast alle Autohersteller angesichts schwacher Nachfrage mit Einbußen rechnen. Die Schweizer Großbank Credit Suisse vergleicht die Situation sogar schon mit der Ölkrise in den 70er-Jahren und der schweren Rezession der 80er-Jahre. All das gilt aber nicht für die Stuttgarter. Wie schon im Vorjahr dürfte der Nettogewinn erneut um gut 50 Prozent zulegen. Damit würde der Autobauer in diesem Jahr auf 7,3 Mrd. Euro kommen. Abgesehen davon, dass Premiumhersteller wie Daimler weniger unter Konjunkturschwächen leiden als Massenproduzenten, gleichen Daimlers Geschäfte in Asien die schwierige Situation in Amerika mehr als aus.

