Weltgrößter Stahlkonzern erwirbt Kryvorizhstal
Mittal Steel kauft in der Ukraine ein

Der weltgrößte Stahlkonzern Mittal Group hat den politisch brisanten Bieterwettbewerb um den ukrainischen Stahlproduzenten Kryvorizhstal (KMK) gewonnen. In einer im Fernsehen übertragenen Versteigerung setzte sich Mittal mit einem Gebot von umgerechnet 4,84 Mrd. Dollar gegen ein Konsortium um den Wettbewerber Arcelor aus Luxemburg durch, der Nummer zwei auf dem Weltmarkt.

DÜSSELDORF. Dem Zuschlag war ein hektisches Bietergefecht vorausgegangen, in dem sich Mittal und Arcelor Schlag auf Schlag mit ihren Geboten übertrafen. Der nun gebotene Kaufpreis liegt deutlich über den Erwartungen: Die Regierung hatte mit rund zwei Mrd. Dollar gerechnet.

In der Ukraine hatte die Auktion hohe politische Wellen geschlagen: Seit der Machtübernahme von Präsidenten Viktor Juschtschenko nach der „orangen Revolution“ tobt in der Politik ein Streit über die Reprivatisierung. An dem Versuch, den Oligarchen der Ukraine, die zur Zeit des korrupten Regimes Kutschma große Staatsbetriebe zu Schleuderpreisen erworben hatten, diese wieder zu entreißen, war bereits die Regierung unter Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko nach wenigen Monaten Amtszeit gescheitert.

Ein erster Verkauf des Stahlwerks für 800 Mill. Dollar an eine ukrainische Oligarchengruppe war im vorigen Jahr per Gericht für ungültig erklärt worden. Für viele ausländische Investoren gilt die erneute Auktion als ein Test für den Reformwillen Juschtschenkos. „Dies ist ein wichtiges Signal“, sagt Oliver Stönner-Venkatarama von der Commerzbank. Die Ukraine gelte wegen ihres Rohstoffreichtum – neben Metallen und Kohle verfügt das Land auch über Öl und Gas – als ein attraktiver Investitionsstandort.

Dennoch hält Stahlanalyst Hermann Reith von der BHF Bank den von Mittal gebotenen Preis für „gigantisch“. Er übertrifft den Umsatz des größten Stahlherstellers der Ukraine um das 2,5-fache. Kryvorizhstal produzierte 2004 rund sieben Mill. Tonnen Stahl und rangiert damit unter den Stahlherstellern weltweit auf Rang 30. Das Unternehmen gilt aber mit einem Nettogewinn von 378 Mill. Dollar in 2004 als eines der profitabelsten in der Ukraine und ist interessant, weil es über eigene Erz- und Kohlevorkommen verfügt, was eine kostengünstige Produktion ermöglicht. Reith erwartet, dass Mittal kräftig in die neue Konzerntochter investiert, um die Weiterverarbeitung des Stahls vor Ort zu ermöglichen.

Arcelor hatte sich für die Auktion mit dem drittgrößten ukrainischen Stahlhersteller Union of Donbass zusammengetan. Das Konsortium hatte bis zum Schluss mitgeboten. Dagegen war der dritte Bewerber Smart LLC bereits bei etwa 3,8 Mrd. Dollar ausgestiegen. Hinter dieser Gruppe steckt angeblich der russische Oligarch Alishev Usmanov, der am britisch-niederländischen Stahlkonzern Corus beteiligt war.

Arcelor-Chef Guy Dollé begründete den Ausstieg aus der Versteigerung damit, dass Arcelor weiter strategische Käufe suchen, aber nicht den Aktienwert des Unternehmens gefährden werde. „Arcelor hat andere Möglichkeiten, um außerhalb von Westeuropa zu wachsen“, sagte Dollé. Der Kurs der Arcelor-Aktie legte in Paris um knapp drei Prozent zu und war am Montag damit der Spitzenreiter im französischen Aktienindex CAC 40. Der größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp hatte sich nicht an der Auktion beteiligt.

Mittal Steel ist bereits in Kasachstan, Rumänien und Polen durch Aufkäufe von örtlichen Herstellern präsent. „Für uns ist dies eine Schlüsselinvestition“, sagte der Chef von Mittal Steel, der Milliardär Lakshmi Mittal. Der Konzern erhalte einen großen kostengünstigen Produzenten in einem Wachstumsmarkt. Ende 2006 erwartet Mittal Synergien von 200 Mill. Dollar. Mittelfristig will der Konzern die Produktion der neuen ukrainischen Tochter auf zehn Mill. Tonnen im Jahr steigern und zum größten eigenen Stahlwerk in Europa machen. Mittal hat offenbar trotz zuletzt fallender Gewinne Appetit auf weitere Akquisitionen: In der vergangenen Woche schloss der Konzern mit der Citigroup eine Kreditvereinbarung über drei Mrd. Dollar - für Übernahmen.

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