Weltkonzern Renova: Der pfiffige Abfallsammler

Weltkonzern Renova
Der pfiffige Abfallsammler

Mit seiner Holding Renova hält der russische Oligarch Wiktor Wekselberg nicht nur Anteile an TNK-BP und dem Aluminiumriesen Sual, sondern auch an westlichen Unternehmen wie Züblin und der Schweizer Oerlikon. Angefangen hat er als Abfallsammler.

MOSKAU. Werdegänge sind würdig oder witzig, Geschichten gütig oder gemein. So kann man auch den Aufstieg des Wiktor Wekselberg zu einem der mächtigsten Moskauer Macher entweder schwarz oder weiß erzählen: Denn je nach Lesart hat der heute 49-Jährige sein Industrie-Imperium Renova als Altmetall-Abfallsammler begonnen aufzubauen oder als pfiffiger Geschäftsmann. Am Anfang jedenfalls stand das Kupfer.

Und Michail Gorbatschow: Denn dessen Perestroika und Glasnost ermöglichten dem Mathematiker und Programmierer Wekselberg das „Heben verborgener Fähigkeiten“, wie er es im Handelsblatt-Interview formuliert. Zusammen mit Studienkollegen vom Moskauer Institut für Transportingenieure gründete er 1988 die Renova-Kooperative, wie die ersten privaten Kleinbetriebe im Gorbatschow-Fieber genannt wurden. Zuvor hatte er Pumpen für die Ölindustrie entwickelt.

Beim Bereisen der Ölquellen hatte er bemerkt, dass die zu den Pumpen in bis zu 2 000 Meter Tiefe führenden Kabel oft ausgetauscht werden mussten und einfach weggeworfen wurden. Als Jungunternehmer nutzte er diesen Kupferschrott.

Eingesammelt und befreit vom Kunststoffkleid, kostete die Tonne des roten Metalls umgerechnet 300 Dollar – und brachte im Export 2 300 Dollar. Seine erste Dollar-Million hatte Wekselberg so bereits 1991 zusammen – in dem Jahr, als die Sowjetunion und mit ihr der morsche Kommunismus entschlummerten.

In den Jelzin-Wirren des Wild-Ost-Kapitalismus im neuen Russland legte Wekselberg sein Geld in Privatisierungsprojekten an: So kam Renova an den heutigen Aluminiumkonzern Sual, der jetzt mit Rusal zum weltgrößten Leichtmetallgiganten fusioniert.

So weit, so typisch. Denn Wekselberg könnte man auch den reinsten Oligarchen seiner Epoche nennen: Typisch an Wekselberg ist, dass er – wie viele der neuen Kapitalisten – aus der Wissenschaft kommt und jüdische Wurzeln hat. Viele Juden konnten zu Sowjetzeiten nicht studieren, was sie wollten, und gingen bei der ersten sich bietenden Möglichkeit in die Privatwirtschaft.

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