Weltmarktführer Arri AG
Schwabings digitale Traumfabrik

Wenn irgendwo auf der Welt ein Kinofilm gedreht wird, dann hat mit großer Wahrscheinlichkeit die Münchener Arri AG ihre Finger im Spiel. Das Unternehmen ist seit langem Weltmarktführer und konnte mit der einmaligen Qualität ihrer Kameras auch die Traumfabrik Hollywood erobern. Nun steht ein revolutionärer Schritt an – der nicht jeden begeistert.

MÜNCHEN. Blut ist nicht gleich Blut, schon gar nicht auf der Leinwand. "Rot, richtiges Rot, das müssen sie mit digitaler Technik erst einmal hinbekommen“, sagt Dejan Ilic. Er ist Vorstandschef der Münchener Traditionsfirma Arri. Echte Cineasten wissen jetzt, worum es sich dreht. Ilic hat den Plan gefasst, den Weltmarktführer für professionelle Filmkameras in die digitale Ära zu führen. Glaubt man dem gebürtigen Serben, dann ist sein Unternehmen bestens unterwegs: "Wir haben uns ein anspruchsvolles Ziel vorgenommen.“

Film und digital, das klingt wie Schnee von gestern, da eine Handycam im Supermarkt für nicht einmal 200 Euro zu haben ist. Stimmt aber nicht, bis heute werden 95 Prozent aller professionellen Kinofilme mit analoger Technik hergestellt – und die kommt in neun von zehn Fällen von niemand anderem als Arri.

Es waren zwei begnadete Tüftler und Filmfreaks, die dem Unternehmen Substanz und auch den Namen gaben: Schon vor 1930 bastelten August Arnold und Robert Richter an ersten Filmkameras, nach dem zweiten Weltkrieg wurden ihre Produkte weltberühmt. Heute, die Firma gehört zu gleichen Teilen den beiden Nachfahren der Gründer, hat Arri den Markt für professionelle Filmkameras fest in der Hand. Berühmtheiten wie Michael Ballhaus ("Das Boot“, "The Departed“) schwören auf die Präzisionmaschinen. Den Bestseller Arriflex 410 hat die Firma voriges Jahr gut 150 Mal verkauft. So hat Arri nur mit Kameras im Geschäftsjahr 2006 gut 120 Mill. Euro umgesetzt. Hinzu kommt das Geschäft mit Filmbearbeitung, mit Licht und mit Ausrüstungsverleih. Insgesamt hat Arri damit 2006 gut 224 Mill. Euro umgesetzt. Dieses Jahr soll es wieder deutlich mehr sein, zu Details hält sich die Firma noch bedeckt.

Dass das auch in Zukunft so weiter geht, dafür soll Professor Ilic sorgen. Er will das mit der Digitalisierung von Arri erreichen. In 14 bis 16 Monaten soll die neue Kamerageneration so weit sein. Die Entwicklung sei so gut wie abgeschlossen, nun gelte es, daraus ein vermarktungsfähiges Produkt zu machen. "In dieser Hinsicht könnten wir noch schneller sein“, sagt er.

Unter den in Deutschland aktiven Topmanagern ist der aus der Region Waldserbien stammende Professor für physikalische Chemie ein Außenseiter. Er hat in Dresden studiert, dann in Karlsruhe, spricht noch immer mit Akzent – und ist noch immer begeistert für die Elektrotechnik. 20 Jahre lang hat Ilic auf der schwäbischen Alb gewerkelt und regiert, als Entwicklungsleiter und später Vorstandschef von Varta Microbattery in Ellwangen. Hier sorgte er für wegweisende Innovationen. So hat er unter anderem eine Zelle, die in Apples iPod für Strom sorgt, entworfen. Nun soll Ilic mit seinem unkonventionellen Führungsstil und seinem technischen Know-how Arri auf Trab bringen. Dabei ist die Digitalisierung von Schwabings Traumfabrik mehr als nur ein technische Frage, für viele ist es ein Art Kulturbruch. "Langfristig gehört dem digitalen Film die Zukunft, Arri aber ist bekannt für die Qualität seiner analogen Kamera. Und die schafft bisher kein digitales Verfahren“, sagt der Chefredakteur eines Fachmagazins. Daher stoße Ilic mit seinem forschen Kurs nicht bei allen der 1 200 "Arrianer“ auf Gegenliebe.

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