Weltstahlverband
Chinas Stahlboom überdeckt Flaute in Europa

Der Rückgang der weltweiten Stahlproduktion wird im laufenden Jahr geringer ausfallen als bislang erwartet. Der Weltstahlverband stellte beim Auftakt seiner Jahrestagung ein Minus von 8,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Tonnen in Aussicht. Im April hatte die Vereinigung noch mit einem Einbruch von 14 Prozent gerechnet.

FRANKFURT. Obwohl sich der Industriezweig in diesem Jahr besser als erwartet schlagen wird, gibt es keinen Grund für eine Entwarnung. Denn Treiber der positiven Entwicklung ist ausschließlich China. Befeuert vom staatlichen Konjunkturprogramm ist die Nachfrage nach dem Werkstoff massiv angezogen. Das Land weitet damit seine Position als weltgrößter Stahlproduzent noch aus. Mit einer Produktion von erwarteten 526 Mio. Tonnen wird China in diesem Jahr erneut einen Rekordwert ausweisen.

Zum Vergleich: Europas Hütten werden im laufenden Jahr rund 122 Mio. Tonnen Stahl ausstoßen – ein Rückgang um ein Drittel. Deutschlands Produktion soll von 41 Mio. auf 29 Mio. Tonnen fallen. Viele Konzerne wie Thyssen-Krupp und Salzgitter haben Hochöfen vorübergehend stillgelegt, nachdem die Kunden aus der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie ihre Bestellungen eingedampft hatten.

Seit einigen Wochen füllen die Abnehmer ihre Lagerbestände wieder auf, die Auftragslage hat sich damit auch in Deutschland gebessert. Um den höheren Bedarf zu decken, fuhr Arcelor-Mittal kürzlich einen Hochofen in Bremen wieder an. Allerdings warnten zuletzt Branchenvertreter, dass die Nachfrage zum Jahreswechsel wieder abflauen könnte.

Auch wenn einige Experten vor zu großer Euphorie warnten, verbreitet der Weltstahlverband auf der Jahrestagung Zuversicht. „Es gibt klare Zeichen, dass sich der Markt seinen Boden gefunden hat“, sagte Verbandspräsident Ian Christmas bei dem Treffen in Peking. Für das kommende Jahr stellte er einen Zuwachs von 9,2 Prozent in Aussicht. Mit dann 1,2 Mrd. Tonnen würde der Stand von vor Ausbruch der Krise erreicht.

Zwar soll sich die Lage auch in Europa und Nordamerika bessern, der weitaus größte Schub wird aber aus China kommen. Einige Konkurrenten und der europäische Verband Eurofer beobachten die Entwicklung mit Sorge. Sie fürchten ein Zunahme der Exporte nach Europa.

Auch wenn sich China bemüht, die Befürchtungen zu zerstreuen, so zeichnet sich doch ab, dass China über Bedarf produziert. Experten verweisen dabei auf die Stahlpreise, die in dem Land zuletzt unter Druck geraten sind. Nach Auffassung von Experten liegen die Überkapazitäten der chinesischen Stahlindustrie bei über 100 Mio. Tonnen. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Denn die von der Regierung betriebene Konsolidierung kommt nicht in Gang, da die Provinzen bei der Schließung von Hüttenbetrieben den Verlust von Arbeitsplätzen befürchten.

Von dem Branchentreff versprechen sich nicht nur Stahlmanager Aufklärung über den Ausblick der Industrie. Auch die Konjunkturexperten schauen gespannt darauf, wie viel Stahl rund um den Globus nachgefragt wird. Der Werkstoff gilt als ein wichtiger Konjunkturindikator.

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