Weltweit größter Schinkenhersteller Campofrío
Feinschmecker-Schinken für das Discounter-Regal

Der weltweit größte Schinkenhersteller Campofrío nimmt es ganz genau mit der Verarbeitung seiner Schinkeneulen. Einmal in die Fabrik gebracht, müssen strengste Regeln befolgt werden. Menschenhände kontrollieren nur noch, der Rest ist voll automatisiert. Das hat auch mit dem schwierigen deutschen Markt zu tun, wo der Hersteller derzeit kaum noch Geld verdient.

MADRID. Es gibt wahrscheinlich nur wenige spanische Krankenhäuser, die so sauber sind wie die Schinken-Fabrik im nordspanischen Burgos. Bevor Besucher die Hallen betreten, müssen sie die Schuhe mit einer blauen Plastikhaube überziehen und die Haare mit einem weißen Netz bedecken. Drinnen laden Roboterarme die mit einem Radiofrequenz-Chip ausgestatteten Schinkenkeulen vom Lastwagen aufs Fließband, wo sie erst einmal eingesalzen werden.

Der weltweit größte Schinkenhersteller Campofrío nimmt es ganz genau mit der Sauberkeit und der Herkunft seiner Serrano-Keulen. Sie sollen von ordentlich gefütterten und gemäß der Norm gehaltenen Schweinen kommen. Einmal vom Schlachter in die weltweit modernste Fabrik der Branche nach Burgos gebracht, müssen bei dem einjährigen Räucherungsprozess strengste Regeln befolgt werden. Menschenhände kontrollieren nur noch, der Rest der Herstellung ist voll automatisiert.

Das hat auch mit dem schwierigen deutschen Markt zu tun, wo das börsennotierte Unternehmen zwar führend ist, „der Konsument aber das beste Produkt zum niedrigsten Preis will“, sagt der Bereichverantwortliche Daniel Ibarzabal. Da müsse man so effizient wie möglich arbeiten. Wegen der Preissensibilität in Deutschland wären hochwertige Produkte wie der Schinken von Schweinen, die nur mit Eicheln gefüttert werden, nur ein Nischenprodukt. Gefragt ist vor allem der billigere Serrano.

Auch in den USA, wo die Spanier als erste Fleisch importieren und ihre Produkte bei der Kaufhauskette Wal-Mart auslegen dürfen, sind hochwertige Produkte wie der Jamón iberico kaum gefragt. Aber der US-Markt ist gut fürs Image und soll helfen, den derzeitigen Umsatz von 864 Mill. Euro in diesem und im kommenden Jahr um jeweils fünf Prozent anzuheben. Zwar wuchs der Gewinn im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 30 Mill. Euro. Analysten sind sich aber einig, dass das Umfeld wegen des enormen Wettbewerbs und der stagnierenden Preise immer noch schwierig ist.

„In Märkten wie Deutschland oder den USA werden zwar die Anforderungen an die Qualität immer höher, aber die Margen bleiben niedrig“, sagt Ibarzabal. Das Radiochipverfahren, auch RFID-System genannt, hat den Konzern rund zwei Mill. Euro gekostet. Noch hat es sich nicht amortisiert. Aber Campofrío hofft, dass gerade in Deutschland das Segment für Bioprodukte wächst, und dann habe man mit dem RFID-System ein Vorteil.

Derzeit müssen die Spanier ihren Schinken vor allem über die Discounter vertreiben, weil er sich als Delikatesse nicht verkaufen lässt. Aber Deutschland sei der größte Markt in Europa, wo man weiter um Kunden kämpfen wolle. Allerdings schaut Campofrío sich auch zunehmend nach anderen Wachstumsmöglichkeiten um. Im Visier habe man vor allem Italien, Portugal, Frankreich und Osteuropa.

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