Weltweite Initiative: Der Markt soll das Klima richten

Weltweite Initiative
Der Markt soll das Klima richten

Konzerne aus aller Welt starten eine spektakulären Aktion gemeinsam mit Organisationen und Behörden zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen. Sie wollen das Weltklima nicht nur mit Verordnungen oder Selbstverpflichtungen retten, sondern auch mithilfe eines Marktmechanismus.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Um eine drastische Verringerung der Treibhausgase zu erreichen, sei ein gemeinsames und "sofortiges Handeln" notwendig, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung in New York. Die internationale Staatengemeinschaft müsse ein globales Austauschsystem nach dem Vorbild des europäischen Zertifikatehandels entwickeln, um den CO2-Ausstoß drastisch zu verringern.

Zu den Unterzeichnern der von der Columbia-Universität koordinierten Initiative zählen die ersten Adressen der Weltwirtschaft - beispielsweise US-amerikanische Industrieriesen wie General Electric und Alcoa sowie die weltgrößte Bank Citigroup. Unterstützt wird die Erklärung des "Global Roundtable on Climate Change" auch von Air France und den Dax-Konzernen Allianz, Bayer, BASF und der Münchener Rück. Für das energiehungrige China hat der dortige Industrieverband Erneuerbare Energien die Erklärung unterschrieben.

Als zentrales Ziel nennen die Unterzeichner die Etablierung eines weltweiten CO2-Marktpreismechanismus, der den Ausstoß von Kohlendioxid verteuert und die Vermeidung von CO2-Emissionen belohnt. Darüber hinaus verpflichten sich die Teilnehmer des runden Tischs, ihre eigenen Schadstoffemissionen zu verringern, ohne sich allerdings auf konkrete Reduktionen zu verpflichten. Mit Blick auf den Klimaschutz kämen "die Dinge immer mehr in Bewegung", sagte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek. Für Bayer habe der Klimaschutz inzwischen "höchste Bedeutung", betonte Vorstand Wolfgang Plischke. Für den Ökonomen Jeffrey D. Sachs von der Columbia-Universität ist entscheidend, dass sich wichtige Entscheider aus Schlüsselindustrien über Nationengrenzen hinweg auf Wege des Klimaschutzes verständigt hätten.

Mit der Initiative reagieren die Industrievertreter auch auf den öffentlichen Druck, den die wachsende Furcht vor den Naturgewalten erzeugt. "Das Thema hat durch die jüngsten Klimastudien irrsinnig an Fahrt gewonnen", sagte ein deutscher Industriemanager. Vor wenigen Wochen hatte der Klimarat der Uno einen alarmierenden Report vorgelegt, wonach sich die Erde innerhalb weniger Jahrzehnte dramatisch aufheizen könnte - mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Zuvor hatte der frühere Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern mit einer Studie Aufsehen erregt, die die dramatischen volkswirtschaftlichen Kosten der Erderwärmung in den Mittelpunkt stellte.

Viele Unternehmen sind deshalb überzeugt, dass ihr künftiger Erfolg auch von der ökologischen Ausrichtung abhängen wird. Außerdem reagieren sie auf den Druck ihrer Investoren. Im deutschsprachigen Raum etwa hat sich nach einer Studie des Schweizer Bankhauses Sarasin das Volumen der nachhaltig verwalteten Geldanlagen seit Ende 2002 mehr als verdoppelt - auf gut zwölf Mrd. Euro.

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