Weltweites Angebot steigt – Ausstieg aus dem deutschen Bergbau kein volkswirtschaftliches Risiko
Importeure erwarten fallenden Kohlepreis

Ein mittelfristiger Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlenbergbau bedeutet kein volkswirtschaftliches Risiko. Dies sagte Erich Schmitz, der Vorsitzende des Vereins der Kohlenimporteure (VDKi), gestern in Düsseldorf. Die weltweiten Kohlevorkommen und das wachsende Welthandelsvolumen würden auch in Zukunft eine ausreichende Versorgung der Bundesrepublik mit Kraftwerkskohle zur Stromerzeugung und Kokskohle zur Stahlproduktion gewährleisten.

HB mjh DÜSSELDORF. Allerdings gäbe es zur Zeit noch Engpässe beim Weitertransport von den Überseehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen über die Schiene. Die Deutsche Bahn habe nicht genügend Waggons, zudem sei das fahrplanmäßige Angebot zu wenig flexibel, um kurzfristige Bedarfsspitzen zu decken. Der VDKi ist die Interessensvertretung der industriellen deutschen Kohlenverbraucher. Die Mitglieder kommen überwiegend aus der Stromwirtschaft und der Stahlindustrie.

Große Hoffnungen setzt der VDKi auf einen möglichen Regierungswechsel im Bund. Allerdings böten die für Mitte September angekündigten Neuwahlen allen Parteien die Chance, ihre Energiepolitik zu korrigieren. Der VDKi fordert, grundsätzlich alle Subventionen für unwirtschaftliche Energieproduktionen zurückzufahren. Bei der deutschen Steinkohle werde dies bereits systematisch betrieben. Allerdings uferten die von allen Verbrauchern zu tragenden Subventionen insbesondere für Windenergie aus. Mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz, dem Kraftwärmekopplungsgesetz, der Ökosteuer und dem Handel mit CO2-Zertifikaten bestehte mittlerweile eine Überregulierung im Klimaschutz. „Windkraft muss sich aus dem Börsenpreis für Strom zuzüglich eines Zuschlags für die Vermeidung von CO2-Emissionen rechnen“, sagte VDKi-Geschäftsführer Helmut Ritschel.

Die weltweite Nachfrage nach Steinkohle war nach Angaben des VDKi in den ersten Monaten 2005 weiterhin stabil, jedoch hat sich das Wachstumstempo als Folge einer schwächeren Weltkonjunktur etwas verlangsamt. Die Weltmarktpreise für Kraftwerkskohle bröckeln seit Jahresbeginn ab, im Mai lagen sie bei 49 Dollar je Tonne „frei Südafrika“, nach einem Preishoch von 67 Dollar im Juli 2004. Auch Koks wird wieder billiger. So hat sich der Preis für sofortige Lieferungen „frei China“ von 440 Dollar Mitte 2004 auf inzwischen unter 200 Dollar mehr als halbiert. Die Preise für Kokskohle dagegen haben sich im Vergleich zu 2004 mit 125 Dollar pro Tonne frei Verladehafen fast verdoppelt.

Der VDKi erwartet nicht, dass das aktuelle Preisniveau für Koks und Kokskohle Bestand haben wird. Die weltweit größten Lieferanten von Kokskohle – Australien und Kanada – sowie der größte Koksproduzent China investierten bereits Milliardenbeträge, um ihre Kapazitäten auszubauen. Spätestens in zwei bis drei Jahren dürfte dies zu einer Korrektur führen und sich der Weltmarktpreis für Kokskohle wieder zwischen 60 und 120 Dollar je Tonne Kokskohle einpendeln.

Skeptisch beurteilt der VDKi die Pläne des einzigen deutschen Zechenbetreibers RAG, im östlichen Ruhrgebiet eine neue Kokskohlenzeche zu bauen. Bei Förderkosten von 120 Euro je Tonne habe das Bergwerk im internationalen Wettbewerb nur eine geringe Chance, die für das Projekt erforderlichen Investitionen wieder einzuspielen. Die durchschnittlichen Förderkosten der zehn, bereits abgeschriebenen RAG-Zechen betragen nach Angaben des VDKi rund 160 Euro.

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