Wende in der Energiepolitik
Versorger stehen unter Spannung

Deutschland im Jahr 2025: Im Norden, vor der Küste, drehen sich riesige Windräder, im Süden der Republik sind große Felder mit Solaranlagen bestückt, in vielen Kommunen liefern Biomassekraftwerke Strom für die Haushalte – und dort, wo vor Jahren das letzte Atomkraftwerk vom Netz ging, entsteht ein großer Freizeitpark.

HB DÜSSELDORF. Nur eine Vision? Wenn es nach der rot-grünen Bundesregierung geht, soll aus diesem Szenario mittelfristig Wirklichkeit werden. Vor allem die Grünen haben in den sieben Jahren an der Macht auf eine energiepolitische Wende gedrängt – und sie auch eingeleitet: Der Ausstieg aus der Atomkraft ist beschlossen, die sauberen Energien Wind, Sonne, Wasser und Biomasse werden massiv gefördert.

Kaum eine Branche wurde von der rot-grünen Regierungszeit so geprägt wie die Energiewirtschaft. Neue Anbieter für Wind- und Sonnenenergie sind auf dem Markt, Entscheidungen über milliardenschwere Kraftwerksprojekte werden durch politische Vorgaben beeinflusst. „Energiepolitik war eine Spielwiese der Grünen, bei denen Ökologie im Vordergrund stand“, hält Wulf Bernotat, Vorstandschef von Deutschlands größtem Energiekonzern, Eon, nüchtern fest.

Im Wirtschaftsministerium hatten die Konzerne Eon und RWE allerdings auch immer einen guten Fürsprecher: Ob zuerst Werner Müller, vor und nach seiner Amtszeit als Energiemanager tätig, oder später Wolfgang Clement, der aus dem Stammland der beiden Großunternehmen, Nordrhein-Westfalen, kommt – die Wirtschaftsminister hörten stets hin, wenn die Branche rief. Immer wieder kam es deshalb zum Konflikt mit Umweltminister Jürgen Trittin. Bundeskanzler Gerhard Schröder musste mehrmals vermitteln und die Spitzen der Branche gar zum „Energiegipfel“ bitten.

Heraus kamen zumeist Kompromisse, mit der die Branche durchaus leben kann. Beispiel Atomausstieg: Als Trittin 1998 das Umweltministerium übernahm, wurden die Vorstände der großen Versorger äußerst nervös. „Wir hatten richtig Angst, dass wir unsere Kernkraftwerke rasch vom Netz nehmen müssen“, berichtet ein Energiemanager. Drei Jahre lang wurde verhandelt, dann stand der Atomkonsens. Die Branche versprach keine neuen Reaktoren zu bauen, bekam im Gegenzug für ihre bestehenden Kraftwerke aber Restlaufzeiten zugebilligt. Die Auswirkungen sind bislang begrenzt. 2003 ging Stade vom Netz, vor wenigen Monaten Obrigheim, 17 Anlagen sind aber noch in Betrieb.

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