„Wende nicht möglich“
Opel-Chef Stracke scheiterte an miesen Absatzzahlen

Der Kapitän muss in höchster Seenot von Bord: Karl-Friedrich Stracke ist nicht mehr Opel-Chef. Grund waren offenbar die schlimmen Absatzzahlen im ersten Halbjahr. Das Chaos bei Opel ist perfekt.
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Frankfurt/Rüsselsheim/BerlinDie Gerüchte verdichten sich, dass der bisheriger Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke wegen der schlechten Absatzzahlen im ersten Halbjahr zurücktreten musste. Der Verkauf des Autoherstellers ist laut einem Medienbericht seit Jahresbeginn massiv zurückgegangen. Wie die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf Firmenkreise berichtet, sank der Absatz im ersten Halbjahr 2012 um rund acht Prozent.

Ein Grund sei die Krise in Südeuropa, die zu deutlichen Verkaufseinbußen geführt habe. Das Management der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) habe auch angesichts dieser Zahlen nicht mehr daran geglaubt, mit Karl-Friedrich Stracke an der Opel-Spitze die Wende zu schaffen, zitierte die Zeitung mit den Vorgängen vertraute Personen.

Der Opel-Chef war gestern überraschend von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten. Das teilte die Adam Opel AG am Donnerstag ohne Angabe von Gründen mit. Das Führungschaos bei Opel ist damit perfekt.

„Ich verlasse diese Position im Wissen, dass Opel/Vauxhall in eine gute Zukunft steuert - und freue mich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen“, wurde Stracke in einer knappen Mitteilung des Unternehmens zitiert. GM-Vize Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, wird die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt.

Gründe für den überraschenden Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Opel-Strategiechef Thomas Sedran hat laut der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ die besten Chancen, neuer Vorstandsvorsitzender zu werden. Der 47-Jährige werde vom GM-Management geschätzt, hieß es laut Zeitung in Unternehmenskreisen. Der Manager ist im Opel-Vorstand derzeit für den Bereich Strategie zuständig.

Der stellvertretende Ministerpräsident von Hessen, der Justiz- und Europaminister des Landes Jörg-Uwe Hahn, reagierte auf den überraschenden Rücktritt mit scharfer Kritik an GM. „GM verzockt gerade das Vertrauen seiner Mitarbeiter, der Verbraucher und das Vertrauen der Politik“, sagte der FDP-Landeschef Handelsblatt Online. Er erhoffe sich nun „ein Ende der Zick-Zack-Taktik für Opel“ und endlich eine nachhaltige Unternehmensstrategie. „Diese zu entwickeln und das Unternehmen langfristig zu sichern, ist jetzt die wichtigste Aufgabe eines neuen Opel-Chefs.“

Mit Blick auf den Rücktritt des Opel-Chefs sagte Hahn weiter, mit oder ohne Stracke sei allen klar gewesen, dass vor Opel schwere Zeiten stünden. „Ich mache dafür vor allem das amerikanische Management verantwortlich“, sagte der FDP-Politiker. Opel habe eine Chance verdient. „Die hessische Landesregierung erwartet, dass die Zusagen von Herrn Stracke gegenüber den Opelanern eingehalten werden.“

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nun mit harten Einschnitten: "Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen", sagte er. Sogar der komplette Rückzug aus Europa sei denkbar.

Ebenfalls unter Berufung auf Firmenkreise berichtet die "Bild-Zeitung" unterdessen von zwei Favoriten. Danach gelte neben Thomas Sedran auch der amtierende Opel-Produktionsvorstand Peter Thom als Kandidat für den Chefsessel. Über die Nachfolge könnte bereits zügig entscheiden werden.

Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese laut Betriebsrat Schäfer-Klug, „dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist“. Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel „im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen“, erklärte Schäfer-Klug.

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Zukunftsplan soll Bestand haben

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  • An Opel und deren Mitarbeitern liegt es nicht.
    Das Grundübel in diesem Spiel ist GM. Wenn GM der Tochter Zukunftsmärkte versperrt, kann Opel nicht die notwendigen Absatzzahlen bringen. Mittlerweile sieht es so aus, als würde GM mit dem Technologietransfer (Lizenzen) gut leben, sich aber jetzt entschieden haben einen Konkurrenten (als den sieht GM Opel auf den Weltmärkten, deswegen ist der Zugang versperrt) loszuwerden.
    Das gleiche Trauerspiel hat man mit SAAB betrieben. Dabei meine ich nicht den (legitimen) Verkauf, sondern die Weigerung den neuen Eigentümer entsprechende Lizenzen für aktuelle Plattformen zu verkaufen.

  • Fakt ist doch, dass es an den Produkten von Opel nicht liegen kann.
    Darauf können die Opleaner Stolz sein.
    Wertige, umweltfreundliche, innovative und zuverlässige Autos werden nur leider immer einem Schlechtreden-Prozess unterzogen. Das ist furchtbar in Deutschland. Solange das anhält können die Rüsselsheimer eh machen was sie wollen.

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